Die Kinder antworteten ihm: »Da mußt du, Herr, ins Schlachthaus gehn, und dort kaufst du Ochsengedärm: das, was drinnen ist, ißt du und dann wäschst du die Därme gut aus und verkaufst sie. So kannst du dich ordentlich satt essen und bekommst noch Geld heraus.«

Als der Hodscha hörte, was die Kinder sagten, dachte er: Wahrhaftig, mir blüht in Skutari kein Weizen; wenn schon die Kinder so sind, wie werden erst die Erwachsenen sein! Es ist besser, ich mache mich davon.

Und damit ging er.

482.

EInmal kam ein Türke zum Hodscha Nasreddin und bat ihn, ihm einen Brief zu schreiben; er wolle ihm gerne zahlen, was man gewöhnlich für einen Brief bezahle. Der Hodscha sagte: »Wem willst du den Brief schreiben lassen und wohin?«

»Meinem Sohne in Stambul,« antwortete der Türke.

Nasreddin fragte wieder: »Und welchen Preis soll ich dir für den Brief machen? ich habe nämlich drei Preise: billig, teuer und noch teuerer.«

»Du weißt, Hodscha, daß ich ein armer Mann bin; ich kann nicht viel zahlen: mach mir also den billigsten Preis, der überhaupt möglich ist.«

»Also, Freund,« antwortete Nasreddin, »der billigste ist, wenn ich dir den Brief schreibe und du ihn nach Stambul trägst und dann deinem Sohne sagst, was du ihm geschrieben hast. Den teuerern Brief, wenn ich den geschrieben habe und wenn er trocken ist, den kann ich selber nicht lesen. Am teuersten aber ist es, wenn ich den Brief schreibe und ihn selbst nach Stambul trage und ihn dort vorlese; denn meine Schrift kann außer mir niemand lesen, nicht einmal die Stambuler Gelehrten alle miteinander samt dem Scheich ul Islam.«

483.