DEr Hodscha war mit dem Kadi befreundet und ging ihn öfter besuchen, um mit ihm zu plaudern. Eines Tages ritt er wieder ins Gerichtshaus; das Pferd band er vor dem Hause an und er ging zum Kadi hinein.

Während er beim Kadi saß und mit ihm sprach, wurde ein Mensch vorgeführt, und der wurde überwiesen, daß er ein falsches Zeugnis abgelegt hatte. Zu jener Zeit war für solche Verbrecher als Strafe festgesetzt, daß sie verkehrt auf einem Pferde sitzend durch die ganze Stadt geführt wurden. Da nun gerade das Pferd Nasreddins da war, wurde diese Strafe auf seinem Pferde vollzogen.

Ein paar Tage später wurde der Mensch wieder wegen eines falschen Zeugnisses ergriffen und mußte wieder zu Pferde durch die Stadt geführt werden. Und da sie bei Gericht kein Pferd zur Hand hatten, liefen sie zum Hodscha und verlangten sein Pferd.

Aber er antwortete ihnen: »Ich gebe mein Pferd nicht her; sagt lieber dem Kerl, er soll entweder dieses Handwerk aufgeben oder sich selber ein Pferd kaufen, damit er darauf reiten kann, wenn er etwas anstellt.«

484.

DEr Hodscha trug einmal Getreide in die Mühle, und seine Frau hatte ihm den Sack mit dem Getreide zugebunden. Unterwegs ging der Sack auf, und er mußte ihn bis zur Mühle zehnmal neu zubinden.

Als er nach Hause zurückkam, machte er seine Frau tüchtig herunter und sagte zu ihr: »Wie hast du denn den Sack zugebunden? ich habe vielleicht zehnmal stehn bleiben müssen, um ihn zuzubinden.«

485.

EInes Tages pflanzte der Hodscha Weinreben; ein Spaßvogel, der vorüberging, grüßte ihn: »Guten Morgen, Hodscha! Bist du schon müde?«

»Gott segne dich!« antwortete der Hodscha; »ich bin noch nicht müde.«