»Was machst du denn da?«

»Weinreben pflanze ich; siehst du das nicht?«

»Aber wann wirst du von ihnen Trauben bekommen?«

»Wenn Gott das Glück gibt, in drei Jahren.«

»Ja, warum pflanzst du sie denn dann jetzt, warum nicht erst im dritten Jahre? Bist du denn verrückt?« Mit diesen Worten ging der andere weg und Nasreddin setzte sich nieder und begann zu überlegen: Es ist wahr: er ist ein gescheiter Mensch; er hat recht mit dem, was er sagt. Damit warf er den Karst über die Schulter und machte sich auf den Heimweg.

Als seine Frau sah, daß der Hodscha so rasch wieder nach Hause kam, fragte sie ihn: »Was gibts denn? warum kommst du so bald schon zurück?«

Und er erzählte ihr, wie es war, und fuhr fort: »Segen über ihn, über diesen klugen Mann! ich hätte mich meiner Seele nicht darauf besonnen, daß es eine richtige Dummheit ist, heuer Wein stöcke zu pflanzen und erst nach drei Jahren Trauben zu verkosten!«

486.

DEr Hodscha war bei regnerischem Wetter über Land gewesen. Als er heimkam, zog ihm seine Frau die Schuhe aus und hängte sie zum Feuer, damit sie trocken würden; er aber stand auf und sagte: »Bist du dumm! Warum tust du die Schuhe zum Feuer, damit sie verbrennen? Trag sie lieber vors Haus in den Mondschein; es ist ja draußen wie bei Tage.«

Die Frau gehorchte ihm und hängte die Schuhe vors Haus. Als sie sie dann am Morgen hereinholte, und als er bemerkte, daß sie von der Winterkälte und dem Winde steif geworden waren, sagte er: »Siehst du jetzt, um wie viel der Mond besser trocknet als das Feuer? ich verwundere mich auch gar nicht, daß er sie getrocknet, ja sogar geradezu ausgedörrt hat!«