492.

DEr Hodscha brachte seinen Esel auf den Markt und übergab ihn dem Ausrufer. Es kam ein Käufer, und der wollte die Zähne des Esels betrachten, um sich über sein Alter zu unterrichten; aber der Esel biß ihn. Es kam ein anderer Käufer, und der hob ihm den Schwanz auf; aber der Esel schlug aus. Nun sagte der Ausrufer zum Hodscha: »Deinen Esel da kauft niemand; denn wer von vorn an ihn herantritt, den beißt er, und wer von hinten kommt, den schlägt er.«

»Das ist es ja,« antwortete der Hodscha; »ich habe ihn auch nicht hergebracht, um ihn zu verkaufen, sondern damit die Welt sieht, was ich die Zeit her von ihm zu leiden gehabt habe.«

493.

EInmal zankte sich der Hodscha in der Nacht mit seiner Frau, und die gab ihm in ihrer Wut einen Fußtritt, daß er die Treppe hinunterkollerte. Als es Tag geworden war, fragten die Nachbarn, die diesen Lärm gehört hatten, den Hodscha, was geschehn sei, und er antwortete, daß er mit seiner Frau einen Streit gehabt habe.

»Sehr gut,« antworteten sie, »aber was war das für ein Lärm?«

»Bei dem Streite«, sagte er, »ist meine Frau sehr zornig geworden, und da hat sie meinen Kaftan mit einem Fußtritte über die Treppe hinabgestoßen.«

Als sie ihm aber vorhielten, daß ein Kaftan, wenn er hinuntergestoßen werde, nicht imstande sei, einen solchen Lärm zu verursachen, sagte er: »Ach, warum nötigt ihr mich so? begreift ihr denn nicht, daß in dem Kaftan ich gesteckt habe?«

494.

EIn Freund ersuchte den Hodscha um ein wenig Geld und um etwas Frist. Der Hodscha antwortete: »Geld kann ich dir nicht geben, aber Frist gebe ich dir, weil du mein Freund bist, soviel du willst.«