498.

EInes Tages kaufte der Hodscha eine Leber; als er sie nach Hause trug, begegnete ihm ein Freund, und der fragte ihn, wie er sie zubereiten werde. Der Hodscha antwortete, er werde sie so zubereiten, wie man das allgemein gewöhnlich tue. »Ach nein,« sagte der Freund, »es gibt eine andere Zubereitungsart, die werde ich dich lehren, und wenn du die Leber auf diese Weise zubereitest, so wirst du sehn, was das für ein Wohlgeschmack werden wird.«

Darauf sagte der Hodscha: »Im Gedächtnis kann ich das nicht behalten; schreib mir deine Anweisung auf einen Zettel, und ich schaue dann auf das Geschriebene und koche danach.«

Wie nun der Hodscha mit neugieriger Lüsternheit heimging, riß ihm ein Falke die Leber aus der Hand und stieg damit in die Höhe. Ohne irgendwie ärgerlich zu werden, zeigte ihm der Hodscha das Rezept seines Freundes und rief ihm zu: »Du bemühst dich umsonst, die Speise bringst du ja doch nicht fertig; die Leber hast du mir wohl genommen, den Zettel aber nicht.«

499.

DEr Hodscha Nasreddin hatte, wenn er einen Schüler wegschicken wollte, damit er den Krug beim Brunnen fülle, die Gewohnheit, den Schüler zuerst zu prügeln und ihm erst dann den Krug einzuhändigen. Da fragte ihn einmal einer seiner Freunde: »Warum prügelst du eigentlich den Schüler, wann du ihm den Krug gibst?«

Nasreddin antwortete ihm: »Damit er achtgibt, daß er ihn nicht zerbricht; denn wann er einmal zerbrochen ist, dann ist es unnütz, ihn zu prügeln.«

500.

IN der Zeit, wo der Hodscha Nasreddin sein Feld bearbeitete, ging er jeden Morgen hin, zeigte es dem Himmel und sagte: »Herr, dies ist das Feld deines Dieners; ich bitte dich, begieße es ordentlich, damit es Frucht trage.« Damit fuhr er eine lange Zeit fort, bis eines Nachts ein Platzregen fiel; und da sagte er: »Auf meinem Felde werden jetzt Ähren wachsen, so groß wie ich.«

Nachdem er am Morgen in heller Freude aufgestanden war, ging er sein Feld besuchen; als er aber hinkam, erkannte er nicht einmal den Ort mehr. Sein Feld war nämlich an einem Gießbache gelegen, und den hatten die von oben kommenden Wassermassen so überschwemmt und so anschwellen lassen, daß Nasreddin nicht mehr wußte, wo sein Feld war. Als er sah, in was für einem Zustande es war, erhob er Augen und Hände zum Himmel und sagte: »Du bist nicht daran schuld, Herr; schuld daran bin ich Dummkopf, weil ich dir mein Feld gezeigt habe.«