„Nun legst dich hin und hälst die Goschen, Luder damisches.“ Strick raucht krampfhaft, schluckt, sucht im Arzneischrank.
„Kriegst eins reingefuhrwerkt,“ giftet er seinen Schüler an, „daß du platzst. Kollargol, für deine kreuzdämliche Sepsis. Wieviel willst du denn?“
„Fünf Gramm,“ lächelte der glückliche Hubert; beschaut schmunzelnd seine geschwollenen Armvenen.
„Nimm den Arm runter, ist noch nicht so weit. Fünf Gramm kannst ins Gesicht kriegen von mir. Fünfzehn krieste. Zwanzig, wenn du nicht ’s Maul gleich zumachst. Spuck dir rein, du verwerfliches Subjekt.“
Werner Strick vom Schrank weg, bürstet, wäscht sich im Paletot in den mächtigen Operationsschüsseln. Sein schwarzer Hut schwankt bei der wuchtigen Tätigkeit. Geheimnisvoll von hinten Feuchtedengel, aus himmelnden Äuglein zu seinem Chef: „Fünfundzwanzig Gramm. Ich vertrag es. Ehrenwort. Viel muß man bei mir geben. Über die Maximaldose.“
Verächtlich schweigt der Chef. Das Sublimat spritzt, über die Schüssel hinweg springt der Hut. Der Schwabe rückt an, will gebückt unten den Hut fassen, kriegt von der Seite einen Tritt in die Weiche.
Massig steht mit der großen Zwanziggrammspritze aus Glas der qualmende Mensch vor dem rotbäckigen Medizinalpraktikanten, der auf dem Untersuchungsstuhl sitzt, den linken bloßen Arm, mit Gummi abgeschnürt, triumphierend hinstreckend. Hubert bebt vor Freude, läßt sich nichts merken. Dreht den Kopf von Strick ab gegen die Wand. „Das schöne Bild“, schwabbelt er schämig, „in der Klosterküche. The monastery kitchen, cuisine de monastère. Soviel Mönche und bloß ein Kalb.“
Von oben faucht Werner: „Schwein, wieviel willste haben?“
„Fünfundzwanzig,“ stöhnt Hubert, kann es sich nicht versagen, bettelnd den Arm des andern zu berühren.
Spießt sich die Kanüle in die strotzende Vene, der Stempel der Spritze sinkt, die dicke schwärzlichbraune Flüssigkeit vermindert sich.