Man hatte bei Link geschwankt zwischen Grippe, Malariafieber und Vergiftung durch Methylalkohol. Auf dem Totenschein schrieb man Vergiftung durch Methylalkohol. Die Mutter Links, gehässig auf Elli, brachte den Stein ins Rollen. Elli hatte ihr erst nach seinem Tode Mitteilung von seiner Erkrankung gemacht und dann gesagt, er sei an Alkoholvergiftung gestorben. Sie ging zur Polizei, beschuldigte die Schwiegertochter. Es erfolgten Vernehmungen. Die Leiche wurde durch Gerichtsärzte obduziert, Leichenteile dem Chemiker Dr. Br. zur chemischen Untersuchung überwiesen. Die chemische Untersuchung verlief ergebnislos auf Methylalkohol oder Arzneimittel. Sie erwies das Vorhandensein ganz erheblicher Mengen von Arsen. Die vorgefundenen Mengen genügten für den Tod mehrerer Menschen. Die Gerichtsmedizinalräte stellten chronische Arsenvergiftung fest mittels unerhört großer Arsenmengen.
Die Haussuchung in der Wohnung der Frau Link förderte einen Stoß Briefe zu Tage, eben die Briefe der Bende, dazu eine Anzahl ihrer eigenen, die die Bende ihr zurückgegeben hatte. Die Briefe hatte sie zum Teil in ihrer Matratze verwahrt. Frau Bende war in diesen Tagen des niedergehenden Gewitters bettlägerig. Am 19. Mai, anderthalb Monate nach dem Tode Links, erfolgte die Verhaftung seiner Witwe. Am 26. Mai wurde Frau Bende festgesetzt. Die Ermittelungen gingen auch gegen die Frau Schnürer.
Die kurzen Mitteilungen über die Vorfälle in der Presse erregten enormes Aufsehen. Das Ermittelungsverfahren zog sich fast ein Jahr hin. Die Hauptverhandlung wurde vom 12.-16. März 23 in Berlin am Landgericht geführt.
Elli Link war von Anfang an geständig. Sie war ein verschüchtertes Schulmädel. Dann regte sich ihr Trotz. Der Haß auf den Mann lebte auf; sie fühlte sich schuldlos; hatte sich nur verteidigt, den Bösewicht beseitigt.
Ihre Freundin war erschüttert, aufs Fürchterlichste verängstigt. Und – befreit. Ihr altes, sehr schlechtes Gewissen saß ihr im Nacken. Sie hatte auch ein schlechtes Gewissen gegen ihre Freundin. Es war ihre unfreie Art, sich schuldig zu fühlen, aber auszuweichen, sich hinter tönender Entrüstung zu verstecken. Sie leugnete bis in die Hauptverhandlung; ein dünnes, sehr durchsichtiges Lügen.
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In der Haft kam Elli zu sich. Die Faszination war völlig gewichen. Ihr war unklar, wie alles gekommen war; sie schrieb in der Untersuchungshaft: „Wie soll ich dieses noch schildern. Es ist und bleibt mir verschleiert, es bleibt mir alles nur ein Traum.“ Kein Gefühl der Gefahr in ihr. Es war nicht mehr der heiße Grimm auf Link, der in ihr lebte, aber allgemeine Dumpfheit und Bitterkeit, die sich auch gegen den toten Link richtete, eine dumpfe, bittere Ablehnung, ein entschiedener Widerwille, an dem sie sich erholte. Ein sicheres Festhalten seiner Rohheiten und Bosheiten. Damit wurde sie aktiver und bewegte sich. Die Eltern in Braunschweig setzten sich in Bewegung ihr zu helfen. Wie unbesorgt Elli war, zeigte ihre Erbitterung auf die Mutter des Link, die die Anzeige erstattet hatte und sogar jetzt sich an die Sachen Ellis, oder den Nachlaß Links heranmachte. Elli alarmierte den Rechtsanwalt, der früher ihre Scheidungsklage geführt hatte; ob sie sich das gefallen lassen müsse. Sie machte ihre Eltern und Geschwistern in einem Brief Ende 22 Vorwürfe: man hätte ihre Sachen aufbewahren sollen. Alles, was in ihrem Besitz war, sei fort, sie könnte sich die Haare einzeln ausreißen. „Die Alte sucht Grund, um mich zu belasten, aber fällt ein Wort, dann melde ich mich zum Wort, denn das Maß läuft doch mal über. Link hatte doch nichts weiter als die zerrissene Wäsche. Wenn die Rechtsanwälte sich nicht große Mühe geben, kann ich mich auf Jahre gefaßt machen. O, die Frau. Warum erzieht sie so herzlose Kinder? Vielleicht laufe ich barfuß; das könnte der Alten gefallen.“ Sie berichtet dann, daß das Wetter hier noch immer schön sei, die Luft sei herrlich: „Werdet nur nicht krank, ich möchte doch alle gesund und munter wiedersehen. Haltet mir bitte meine Sachen in Ordnung; ich muß sehen, was ich mache; denn ich habe viele Verpflichtungen. Es grüßt Euch von Herzen Eure Tochter und Schwester Elli.“
Es hatte ihr geschienen, als ob sie ganz frei von Link geworden wäre, als ob sie sich von ihm befreit hätte. Aber sie war nicht in ihr altes Gleichgewicht zurückgeschwungen. Jetzt, wo die Faszination des Hasses und die Liebesleidenschaft gewichen war, wo man sie seinetwegen strafen wollte, fing sie wieder an, mit ihm zu kämpfen. Sie trug ihn noch mit sich herum. Tieferes in ihr war mit ihm verbacken. Sie träumte viel und schwer in der Untersuchungshaft. Einiges schrieb sie auf. Hier sind ihre Träume.
„Mein Mann und ich gingen durch einen Wald, kamen an einen eingezäunten Abgrund vorbei. Wir kamen ins Gruseln, in diesem Abgrund hielten sich Löwen auf. Link schimpfte und sagte: ich werfe dich gleich hier hinunter! Schon lag ich tief unten. Die Löwen stürzten sich auf mich los, aber ich streichelte und liebkoste die Tiere, gab auch meine Stullen zu fressen. Diese Tiere taten mir nichts. Kletterte den Abhang beim Füttern herauf und sprang dann über den Zaun. Link aber sagte wütend: Du Aas krepierst nicht. Hier war eine Tür, die nur angelehnt war. Ich gab Link einen Stoß, der stürzte hinunter. Die Löwen haben ihn zerrissen und lag mit dort in einer großen Blutlache.“
„Ich saß mit einem kleinen Mädel im Zimmer und spielten, scherzten, liebkosten. Lehrte ihr einige Sätze, die die Kleine sagen sollte, wenn Link nach Hause kam. Als wir ihn sahen, gingen wir Link entgegen und sagten: Guten Tag, Papa, wie ist der Tag verlaufen. Als die Kleine auch einige Wörter hervorbrachte, sagte er: das Jör ist auch ganz ein Schlag nach dir. Riß mir das Kind weg, faßte es an den Beinen und schlug es mit dem Kopf auf die Tischecke.“