„Ja, antworte, erzähle. Du wirst mich heilen, wenn du zu mir sprichst, wie auf den Nan-ku-bergen zu den Bettlern. Und schließlich, es macht mich ruhig, du bist ja derselbe, immer Wang-lun, auf den alle bauen, ich gebaut habe und baue.“
Wang wippte auf, setzte sich erst, während er sprach; er redete in dem harten, überrennenden Tone: „Daß der Kaiser ein Edikt erlassen hat, uns auszurotten, weißt du. Wer ist der Kaiser? Ja, wer ist das, ‚Kaiser‘? Ich kenne Blitze, die Menschen an Flüssen, auf dem Wasser, unter Buchen erschlagen; man kann von einem Bergsturz zerquetscht werden; Überschwemmungen gibt es, Feuer und wilde Tiere, Schlangen. Auch Dämonen. Die können uns alle umbringen. Es gibt kaum eine Rettung dagegen. Wer ist ‚Kaiser‘? Die unerhört schamlose Anmaßung des Kaisers, uns umzubringen, worin liegt die begründet? Er ist ein Mensch wie du, ich, die Soldaten. Weil sein Ahne, der tote Mann aus der Mandschurei, hier anmarschierte und das Mingreich eroberte, hat der Kaiser Khien-lung das Recht, die Wahrhaft Schwachen und mich umzubringen. Diese Tat seines Ahnherrn setzt ihn den Überschwemmungen, Bergstürzen, Schlägen gleich? Das sollst du mir beweisen, Ngoh. Solange du mir nicht den toten Chu widerlegst, der in den Kaisern Einbrecher und Massenmörder sah, bestreite ich, daß sie das Schicksal der Gebrochenen Melone und der Wahrhaft Schwachen sind. Ich vergifte mich nicht freiwillig. Ich weise sie zurück, wohin sie gehören. Unser Bund lebt auf der Erde, die ihm gehört.“
„Das ist ganz neu, das hab ich von dir noch nie gehört, Wang, ich finde mich darin nicht zurecht.“
„Ist eilig, sich zurecht zu finden, lieber Bruder.“
Tiefer erstaunte Ngoh: „Glaub es, glaub es. Was soll ich tun? Das sind ja Sätze, die ich selbst gesprochen habe — zu andern.“
Wang hob die Hände: „So sind wir ja eins.“
Ngoh, sich bewegend mit unsicherer Stimme: „Was soll das heißen, Wang, wir sind eins? Worin sind wir denn jetzt eins?“
„Was willst du von mir? Warum bedrängst du mich? Bin ich dein Schuldner? Habe ich dir etwas gestohlen? Der Kaiser ist ein Einbrecher, Chu hat das gesagt; damit mußt du dich abfinden, Ngoh. Da läßt sich weiter nichts sagen.“
Ngoh riß die Lider bis zur Stirn hoch; Wangs Augen wanderten über den leeren Hof. Sie schwiegen. Wang schlug sich aufs Knie.
„Auch die andern haben sich damit abgefunden.“