„Du machst mir Vorwürfe?“

„Nicht doch, Wang. Ich halte nicht Schritt mit der Zeit.“

„Meine Soldaten haben es besser verkniffen. Bogen in die Hand, Pfeile vor, und es wird geschossen. Dazwischen nur der Gedanke: treffen! Wer einen andern Gedanken hat, den kann ich nicht brauchen, der Mann ist mir zu gut.“

„Das Hia-ho hat dir wohlgetan; ich beneide dich.“

Wang federte hoch, er zog Ngoh an den Händen mit hoch: „Ngoh, aufgepaßt. Aufgepaßt, überlegt und geantwortet. Wenn ich die Soldaten, meine Wahrhaft Schwachen so verleite: Bogen anlegen, zielen, schießen und immer treffen, habe ich recht damit oder unrecht? Gut überlegt, Ngoh.“

Ngoh wiegte den Kopf: „Laß doch meine Hände. Ich bin froh, daß du da bist.“

„Das mag sein. Aber: wer bist du, was mach ich mit dir?“

„Setzen wir uns. Ich bin nicht so weit wie du, am liebsten möchte ich mit Ma-noh nach der Mongolenstadt gegangen sein und dein Gift getrunken haben. Dann wäre ich geblieben, wo ich bin und sein wollte. Es ist die Blüte deines Bundes, Wang, glaub mir, die in der Mongolenstadt umgekommen ist. Die Gelbe Glocke geht anders, du gehst anders, viele gehen anders; ich kann nicht mit. Ich häng dir an und kann dir das Unglück Ma-nohs verzeihen; nur, was jetzt kommt, verstehe ich nicht und kann ich nicht mitmachen. Ich bin ein Wahrhaft Schwacher, will mich dem Tao anähnlichen, dem Schicksal niemals widerstreben, bei keinem Schlag, den ich erleide. Auf dem Pferde hab ich gesessen, bevor ich zu euch auf die Nan-ku-berge kam, geschossen, das Schwert, die Lanze geschwungen. Was ich damals erduldet habe und weil ich damals so viel erduldet habe, bin ich fortgeschlichen von den Pferden und Waffen und habe mich auf deine gute, o so gute, nochmals gute Lehre gebettet. Frei sein, frei bleiben, was kann mir geschehen, welcher Knabe, welcher hoffnungslose Wunsch wird mich quälen! Du hörst es an meiner geschwätzigen Stimme: du hast uns nicht enttäuscht. Unsere Seele zermergelte sich nicht nach Reichtum, langem Leben. Das Unglück fiel uns mit einem Seufzer zu. Das türschleichende Unglück, das angebetete, totgestoßene Kind fand bei uns Einlaß. Wang-lun, das kann alles nicht das Hia-ho fortgenommen haben von dir. Die Flüsse und das Meer sind so wild; der große Damm hält nicht stand, aber sie können nicht das Sicherste, Unverrückbare in dir fortgerissen haben. Ich selbst, Wang, habe ja mit halbem Herzen das vorbereiten helfen, was nun gekommen ist. Die Gelbe Glocke redete mir zu; wer krank ist, hält sich an das Nächste, das er findet. Aber ich weiß jetzt schon besser: es wäre besser gewesen, wir gingen alle unter wie die hunderte, die Chao-hoei schon getötet hat. Das ist zehn-, tausend-, endlose Male besser, glaub mir, Wang-lun, bitte, glaub es mir doch, als daß du in die Stadt einziehst, mordest, bestenfalls ein neues Königreich aufrichtest, das bald so schlecht sein muß wie alle andern.“

Ngoh, mit gelöster Mimik, blickte Wang aus überzeugungskranken Augen an.

Er berührte den tiefbraunen Mann nicht: „Es ist gut, Ngoh, daß du zu mir so geredet hast. Ich werde dir antworten. Auch viele meiner Soldaten haben zu mir gesprochen.“