Kanäle schlängelten sich wie leere Därme, mit trockener, schmierigfauler Höhlung durch die Landschaft. Die Blätter der Laubbäume rollten sich, hingen braun, fahl über den tonig zerriebenen Feldern, es dampfte aus brühwarmen Bächen, auf denen sterbende Fische trieben, Maul und Kiemen sperrend.
Die erhitzte Platte der Felder dumpfte unter den Schritten der Soldaten. Die bunten Schwärme hasteten aufgelöst über die tote Ebene. Voran flohen die schwarzen anklagenden Fahnen. Das heiße Element überholte sie; ringsum stiegen die Häuser in Flammen auf. Hingeworfen lagen die Soldaten vor Pe-king südlich des Flüßchens Liang-choei. Das herrliche Kloster Tsin-tai-tse jenseits des Hun-ho, den Lieblingsaufenthalt des Gelben Herrn, erfüllten sie, gröhlten über die roten Mauern nach Pe-king herüber, zwischen den Eichen und Ligustern des alten Jagdparkes suchten sie Schatten.
Chao-hoei rückte in Eilmärschen näher. Der kleinste Teil seiner Soldaten kam von der Stelle, kein Proviant zu beschaffen, Wege verbarrikadiert, durch Steingeröll, Rebellenhaufen täglich im Rücken und in den Flanken.
An dem Tage, an dem die Mauern der südlichen Stadt Pe-kings von den siegreichen Truppen Wang-luns erstürmt wurden, saßen Khien-lung und Kia-king im Tsien-tsang-kung, dem privaten kaiserlichen Palast der Roten Stadt, und hörten schweigend die unerhörte Musik der brüllenden Schreie aus dem Chinesenviertel.
Khien-lung, abgemagert, leicht gebückt im gelben Kleid auf den Ruhepolstern am offenen Fenster: „Als der Taschi-Lama riet, die religiösen Sekten zu dulden, Schonung zu üben, wußte ich nicht, ob ich recht tun würde im Sinne meiner Ahnen. Als die Minister und Zensoren zusammenkamen und die Prinzen der ersten Ordnung neben mir standen, verfaßten wir das Edikt, das die Sekten zerschneiden sollte.“
Kia-king, den Blick auf dem Boden, murmelte: „Es ist recht. Wir haben gute Mauern. Chao-hoei ist bald da.“
„Die Schreie kommen über die Mauern. Es muß Gerechtigkeit geben, Kia-king. Es liegt nicht an meinem Leben. Ich muß gerecht sein. Wäre es vielleicht besser nachzugeben?“
„Wenn ich meinen Vater anflehen könnte, sich nicht wieder und wieder in die Beklemmungen zu stürzen.“
„Ich bin ganz ruhig, Kia-king. Wir wollen das nur einmal durchsprechen, es wird dich belehren.“
„Mein Vater hat dem Himmel zu jeder Zeit geopfert, den großen Ahnen nachgeeifert, ihnen geräuchert an den vorgeschriebenen Tagen, das Volk ist aufgeblüht.“