Das lufterschütternde Jauchzen und Klatschen, Zubodensinken, Umschlingen. Das mauerdichte Umdrängen Ma-nohs, dessen rätselhaft gleichgültige Miene keiner sah. Aus ihm tönten die Worte, wie Stimmen eines versteckten Singvogels hinter einem umsinkenden Tempel. Eine neue Ähnlichkeit hatte sein Gesicht angenommen, mit dem Ausdruck eines fliegenden Tieres, das seine Kopfform, Augen, Federn ganz vom Wind, den es durchfährt, modellieren läßt; auf einem Ast sitzend hat es ein unbegreifliches Aussehen: weil der Wind und der Flug fehlt.

Um Mittag. Sie zerstreuten sich, die Wankelmütigen, die Ernsten, die Freudigen, die Hochgemuten, die Blinden, Schwachen, die kräftigen Männer, die leichten Tänzerinnen, die inbrünstigen Propheten.

Abends umschlossen zum ersten Male die Zelte und Bretterhütten, die sich zusammengetan hatten. Sie beteten nebeneinander, ihre Gebete verwirrten sich im Dunkeln. Es waren keine Schmetterlinge, die sich aus dem Gras erhoben, sondern zwei Fäden, die sich nach oben gerade zogen, jetzt sich verknäulten und zu keiner Weberei mehr taugen konnten. Ihre verschränkten Arme wichen schwach auseinander, sie tasteten im Finstern mit den feuchten Händen nacheinander, glitten über die elektrisch zuckenden Gesichter. Da wurde aller Stolz gebrochen, alle Unruhe hingelegt. Diejenigen, die starr und aufrecht in dem Ernst der Wahrhaft Schwachen gegangen waren, bogen sich unter dem Glück; der Sommerwind wehte als ein Banner, das aufgepflanzt war auf einer Etappe zum Kun-lun. Wie im Dunkel der Hütten unter den Katalpen die Gesichter gleichmäßig milde wurden, Geister und Leiber aufgelockert wurden von einer breiten gewaltigen Egge, die über die ganze Erde rollte und wuchtete, grub in der Nacht.

In dem Sumpf von Ta-lou wuchsen die Lotosblumen; mit grünen tellergroßen glatten Blättern deckten sie das unbewegliche Wasser, rote Blüten tauchten zwischen ihnen ein; lange Stengel, die mit dickgeäderten Blättern über die verwesenden Muscheln griffen; an jedem Stengel garnten dünne Algenfäden, die sich in der Tiefe verfilzten; grüne behaarte Köpfe hingen herunter. Unergründlich stand der Sumpf und dünstete.

Diese Nacht verging nicht ohne ein schreckliches Ereignis. Einige Männer hörten in der Stille mehrmals das heftige Schelten des Dämmerungsmenschen. Sie beachteten es nicht, da sie glaubten, daß er sich mit einem seiner Schatten schlüge. Aber er schrie unaufhörlich, und es fiel einigen, die aus den Hütten herauskamen, auf, daß der Dämmerungsmensch nicht herumging und das Rufen immer von einer einzigen Stelle des Männerhügels kam. Sie fürchteten, daß er vielleicht wirklich einen Schatten gestellt hatte; grauten sich vor dem Anblick des Kampfes. Aber endlich blickten sich fünf Männer beunruhigt an, faßten Mut, liefen durch das Feld den Hügel hinauf mit Laternen. Als sie an den Ort des Geschreis kamen, lag der Dämmerungsmensch arbeitend im Gras und unter ihm ein Mann, der sich nicht bewegte, über dessen gequollenem Gesicht der Dämmerungsmensch mit seinem Schwerte fuchtelte. Er rief den Bewegungslosen bei Namen, hielt einen Spiegel an sein Ohr. Die Männer beugten sich über den Stummen, leuchteten ihm auf die glotzenden Augäpfel. Es war jener verzagte junge Mensch, der sich an einem Baum aufgehängt hatte. Der Dämmerungsmensch war gegen die Leiche gelaufen und hatte sie abgebunden. Einer der Männer nahm einen spitzen kleinen Stein, ritzte sich die Haut seines Armes, tropfte dem jungen Menschen das heiße Blut in den krampfhaft geschlossenen Mund, dessen Kiefer zwei Männer gewaltsam sprengten. Es half nichts mehr; der Körper war steif. Er hatte Tsi, die Pfirsichblüte, nicht gesucht. An diesem Abend, als er mit ihr zurückkehrte und vor ihrer Hütte stand, hatten sich die beiden ernst angesehen; die Pupillen ihrer hochgeschwungenen Augen erweiterten sich, aber sie blieben beide ruhig und trennten sich nach einem kurzen Dastehen. Der Jüngling schien sich erst im Mikanthus verkrochen zu haben; dann schwankte er aus dem Feld auf den Männerhügel, wobei ihn der Dämmerungsmensch traf, dem er sagte, er müsse sich unter einen Baum schlafen legen. Er hängte sich aber an seinem Gürtel auf.

Den Gipfel der Kaiserherrlichkeit erreichte er nicht; er war einen anderen Weg gegangen.

Nach drei Tagen stieß Wang-lun zu ihnen.

Ma-noh war unschlüssig gewesen, ob er Wang selbst die Veränderung in seinem Haufen mitteilen sollte. Dann schickte er fünf Männer als Boten, die alles, was sie wußten, Wang-lun, der anderthalb Tagereisen entfernt stehen sollte, berichten sollten. Er ging mit einigen Erfahrenen zu Rat und horchte sie vorsichtig aus. Aber es gelang Ma-noh nicht, sie auf den Gedanken zu bringen, daß Wang die Änderung ihrer kostbaren Grundsätze ablehnen könnte. Sie waren von der Heiligkeit und Tragfähigkeit ihrer neuen Ideen rapide durchdrungen; es konnte nur die Sache einer Besprechung sein, meinten sie, Wang zu überzeugen und mit ihm auch die entfernten Haufen der Wahrhaft Schwachen zu bekehren. Von Wang, den niemand von ihnen gesehen hatte, ging ein derart starker Einfluß aus, daß sie überhaupt nicht vermochten, gegen diesen Mann zu denken. Sie würden geglaubt haben, dem Tode zu verfallen, wenn sie etwas gegen ihn unternähmen. Ma-noh sprach einiges von ihrer Führerrolle bei den Gebrochenen Melonen; sie faßten, da er unentschlossen redete, nicht, wo er hinauswollte; es gelang nicht, sie zu locken.

Wang-lun hatte der Boten nicht bedurft; vorher war ihm das Gerücht zugetragen worden. Er kam mit den Boten zusammen in Mas Lager an. Als er von Laternenträgern geführt bei Nacht in Ma-nohs Hütte trat, wollte er mit einer Handbewegung die junge Frau aus dem Raum weisen, die neben dem ehemaligen Pu-topriester auf der Matte hockte. Aber Ma griff die Schwester bei der Hand, führte sie in die Nachbarhütte, kehrte allein zurück.