Eine winzige Öllampe brannte am Boden; an der rechten Wand des kaum mannshohen Raumes raschelte auf dem Moosboden ein Strohsack; Lumpen, Tücher, Kittel daneben. An die linke Wand war der seitlich umgekippte Karren Mas geschoben; unsicher darauf balancierten, von ein paar Streiflichtern getroffen, die goldenen Buddhas; die tausendarmige Kuan-yin aus Bergkristall stemmte den Kopf gegen die Wand, stützte das weiche zerschrammte Gesicht an einen splittrigen Bambuspfosten.

Still saß Wang-lun, als Ma zurückkehrte, auf dem Rand des Karrens und blickte ins Licht. Der Priester sah zu seinem Schrecken, daß Wang ein großes Kriegsschwert trug und es mit beiden Händen vor sich gestellt hielt. Wang-lun war gealtert; sein Blick reglos. Er rieb sich das Knie, und als er später aufstand, sah Ma-noh, daß er links hinkte.

Der Mann aus Hun-kang-tsun brummte, er sei jenseits des Hu-toflusses von übenden Soldaten gesehen und erkannt worden, er habe über den Fluß schwimmen müssen und sich beim Sprung über die Uferfelsen das Knie zerschlagen. Es war nicht ganz richtig; er hatte sich zwar bei dieser Jagd das Knie zerschunden; aber die Hauptverletzung zog er sich zu, als er sich der Sumpfgegend näherte. Er begegnete Anhängern Mas mit einigen Mädchen auf der Straße; niemand erkannte ihn. Als sie ins Gespräch kamen, erfuhr er zum ersten Male, daß diese Bündler sich Gebrochene Melonen nannten; er führte das Gespräch mit dumpfer Erregtheit weiter, griff, als die Bündler sich betrübt abwandten, einen von ihnen an, hetzte die Mädchen fort. Auf das Hilferufen trat ein rodender Bauer aus dem Bambusgehölz, warf quer über die Straße nach Wang einen Wurzelkloben, zerschmetterte ihm fast das Knie, an dem er schon litt. Dann floh auch der Bauer, der bei Ansichtigwerden des Schwertes glaubte, einen kaiserlichen Soldaten verwundet zu haben. Wang trug einen blauen Kittel mit roten Aufschlägen, den ihm ein desertierter Soldat aus der Truppe Ngohs geschenkt hatte.

Wang, unbeweglich auf dem Karren sitzend, fragte Ma-noh, ob sie auch viel unter den Verfolgungen von Truppen zu leiden hätten. Ma wollte, als dicke schwarze Blutstropfen durch Wangs Hosen quollen, ihm Wasser und ein stillendes Pulver bringen; aber Wang hielt ihn kopfschüttelnd zurück und meinte, indem er zu sprechen fortfuhr, es sei ja gleich, von wem die Brüder und Schwestern zu leiden hätten, von den Tao-tais oder von anderswo. Oder was Ma-noh meine? Das Schicksal sei hart und nicht zu beugen. Es sei gut, die Brüder zu lehren, den Weltlauf unangetastet zu lassen; aber dies sei nicht so gemeint gewesen, selber das Schicksal zu spielen und andere und die Brüder und Schwestern es ertragen zu lassen. Diejenigen, die glaubten, auch dann noch unangetastet zu bleiben, könnten sich in schweren Irrtümern wiegen. Ja, sie müßten und sollten sich in einem Irrtum wiegen, der sie mehr als einen blutigen Tropfen kosten könnte.

Ma-noh, sich auf die Matte kauernd, hörte ihn ohne aufzublicken an. Er sah den ungeschlachten Bauernburschen vor sich, der eines Wintertags auf dem Nan-kupaß die kleine Stiege zu seiner Felsenhütte heraufkam; er bettelte und ging nicht von seiner Türe weg, fragte nach den goldenen Fos auf dem Regal.

Er wurde von einer heißen Liebe zu Wang erfüllt, wollte sich einer Empfindung hingeben, die unter dem rauhen, wohlbekannten Schan-tungdialekt Wangs aufatmete mit einem „Endlich!“ aber blieb still sitzen, sann und wunderte sich nicht einmal, daß er nachdachte.

So verändert habe ich mich, dachte Ma-noh. Die Täler und Berge der achtzehn Provinzen sind breit und unermeßlich weit, den Schlüssel zum Westlichen Paradies trage ich; Wang-lun und ich müssen in Frieden voneinander lassen.

Er sagte, Wang-lun sei sehr lange fort gewesen; der Schutz der Weißen Wasserlilie sei wichtig, aber wichtiger die Leitung der Brüder und Schwestern, auch schwieriger vielleicht. Wang-lun möge nicht bitter werden; man könne Regeln leicht und in Menge aufstellen; es hätte sich gezeigt, daß die Regeln des Nan-kugebirges bei aller Kostbarkeit sich nicht allen Verhältnissen anpaßten; man hätte sie ändern müssen, Wang-lun könne sich überzeugen, daß man im Wesen gleich geblieben wäre, als käme man eben um die Schönn-i-Klippen herum. Wang-lun gelte als ein vollendeter Heiliger; er möge sich nicht in Zorn über sie ergehen.

Es war Ma-noh unverständlich, was ihn trieb, Wang zu quälen, und ihn einen Heiligen zu nennen. Er konnte sich nicht verhehlen, daß er die Wendung auf der Zunge wie eine süße Dattel zerdrückte und mit kaltem Vergnügen schmeckte.

Wang stand in Schmerzen; er stocherte mit seinem Schwert in dem Moos. Dies hatte er nicht geglaubt, nicht dies. Dieser Mann schien ihn anwerfen zu wollen.