Wang dankte; er freue sich, wieder in Tsi-nan zu sein. Und wie es dem Herbergswirt gehe und welcher Markt jetzt am meisten besucht sei.
Dem Herbergswirt ginge es erfreulich gut, — jetzt erkannte der Wächter das Schwert, rutschte seitlich davor, tastete mit den Händen rückwärts nach dem Knauf, — und von dem ehemals so beliebten Goldblättermarkte sei die Blumenherrlichkeit verschwunden, seitdem die Gilde der Blumenverkäufer die hohe Platzmiete verweigert hätte. Alles spiele sich jetzt in dem weiten Hof ihres eigenen Gildenhauses ab.
Es sei erstaunlich, meinte Wang, wie rasch sich die Stadt verändere. Aber die Torwächter blieben doch gleich. Sie stehlen, was ihnen in die Hände fällt. Nur dies Schwert möchte er nicht stehlen, sofern er die Gnade hätte, es zu unterlassen. Denn es sei Eigentum eines Mannes im östlichen Schan-tung, dessen Namen er ihm nennen werde, wenn er verschwiegen sei und gegen eine hohe Summe das Schwert dem Besitzer zurückbrächte.
Der Wächter, katzebuckelnd vor dem Gefangenen, flüsterte schon, man könne sich auf ihn verlassen. Und wenn Wang auch eine ehrenvolle, wenngleich heimliche Beerdigung wünsche an einem leidlich günstigen Ort, so möchte er es ihm nur sagen, bevor die Polizisten mit dem Transportkäfig kämen; er hätte schon vielen geholfen.
Man hörte draußen lautes Klagen und Keifen. Wang sah durch das Gitter. Ein Bettelvogt schlug auf zwei Arme mit einem langen Stab ein. Ein Mandarin mit Blauknopf sah aus einer Sänfte zu und wies auf die beiden, die betrügerisch in seinem Hause, in einem fremden Bezirk und zweimal am Tage gebettelt hätten.
Wang seufzte, kauerte hin, sagte nachdenklich, die Stadt hätte sich doch wenig verändert. Schüttelte sich resolut, und nun ging er auf den Torwächter zu, den er bei den Schultern anhob. Als der Alte ihm die Keule gegen die Brust schlug, meinte Wang, es sei doch besser sich nicht anzustrengen, legte den kreischenden Mann auf das Gesicht, drohte am offenen Tor draußen, in die Stadt hineingellend, dem Bettelvogt und dem Blauknopf mit der geschwungenen Waffe, verschwand von Tsi-nan-fus Mauern.
Es hat keinen Sinn zu sterben. Man kann es nicht laufen lassen. Der Vogt hat unrecht und die Bettler haben unrecht. Sie weichen beide vom Tao ab. Einer muß anfangen mit dem rechten Weg.
Nun folgte das Hin und Her der Wanderschaft. Wang suchte auf geradem Wege in die Gegend südlich der Nan-kuberge zu gelangen. Aber das Gerücht von ihm verbreitete sich.
Man veranstaltete Treibjagden auf ihn, nachdem seitens des Tsong-tous von Schan-tung angeordnet war, daß die Präfekten derjenigen Bezirke, die Wang passierte ohne ergriffen zu werden, hohe Strafen zu zahlen hätten.
Gehetzt und erst allmählich der Gefährlichkeit seiner Lage bewußt, insbesondere als er merkte, daß der Ruf der Wahrhaft Schwachen sich über Tschi-li und Schan-tung verbreitet hatte, und jedermann wußte, daß er sich mit den nordwestlichen Brüdern vereinigen wollte, begann Wang die Taktik des Alleinwanderns aufzugeben. Er betrachtete es als seine Aufgabe, sich wie auch immer in die nördliche Ebene durchzuschlagen. Eine abergläubische Regung verband ihn mit dem Schwerte; der Gelbe Springer sollte ihn tragen. Es gab zwei Länder auf der Welt: das eine war die kleine Ebene südlich Nan-ku, das andere war eben alles andere Land, war Wasser, durch das er schwamm auf dem Rücken des Gelben Springers.