Er setzte, als er einmal zwei Tage sich nicht aus einer Höhle herauswagen konnte, in Furcht, von den Bauern, die ihn kannten, gefaßt zu werden, vor sich fest: „Was außerhalb des Bereichs meiner Brüder geschieht, unterliegt anderen, eigenen Gesetzen. Ich bin arm, leidend, nur unter ihnen, ich muß zu ihnen. Diesem Lande, diesen Wellen versage ich meine Gesetze.“

Schlug sich dicht vor den Toren zu einer Bande schlimmer Gesellen, die es sich zum Geschäft machten, ganze Ortschaften zu brandschatzen, Geiseln zu rauben und Lösegeld zu erpressen; die wie die mandschurischen Chungusen im Sommer allenthalben auftauchten, im Winter sich in die Städte verstreuten. Es wollte das sonderbare Geschick, das über diesem schicksalsreichen Menschen waltete, daß er um dieselbe Zeit eine gefährliche Bande anführte und mit ihr von Ort zu Ort vordrang, als im westlichen Tschi-li in die idyllischen Träume seiner Brüder ebensolche Horden die erste Angst hineinjohlten.

Anderthalb Monate begrub er die Erinnerung an die eisigen Wintertage; inmitten des sanftesten Frühlings zog er von Verbrechen zu Verbrechen. Keine Unruhe befiel ihn. Als drei Tagereisen von einem Wald entfernt, wo die erste Truppe der Wahrhaft Schwachen lagerte, die wilden Burschen ihn zu einem Überfall auf einen reichen Wanderer, den gelehrten Chu-tuk-tu aufforderten, der grade mit großem Pompe eine Inspektionsreise über die lamaischen Klöster Tschi-lis machte, entschloß sich Wang, sich von ihnen zu trennen.

Er weigerte sich, an dem Unternehmen teilzunehmen. Sie umringten ihn, es war frühmorgens in einem schönen Flußtal, stellten ihn zur Rede, warfen ihm Feigheit vor. Er machte sich mit ruhigen Bewegungen den Rücken frei, erklärte, daß er in drei Tagereisen seine Freunde erreichen würde, lehnte ab, sie mitzunehmen. Dies waren die Wellen, er wollte Land. Sie fingen an, das weichliche Wesen der Brüder zu verspotten, fragten Wang, wo die Almosenschale wäre, sie wollten etwas hineinlegen, lachten.

Wang ging von ihnen. Nach zwei Li versperrten ihm fünf von ihnen den Weg, begannen das Höhnen wieder, indem sie zugleich verdächtig mit ihren Bogen hantierten. Als ihm einer in der fettigen Mütze einen abgeschnittenen Zopf zum Andenken hinreichte, hielt es Wang für richtig, mit einem großen Satz an Land zu kommen.

Er fluchte auf das Land, das er verließ, spie sein Schwert an, wie einen Toten, den man zum Leben erwecken will, hob es mit beiden Armen hoch auf, krachte dem Gabenverteiler in die Brust. Als er den Knauf losließ, stand er allein mit dem Toten am Wege. Er zog die Schneide zwischen die Lippen; das Land, das er verließ, spritzte heiß nach ihm; er leckte das glückverheißende Blut.

Lief stundenlang ohne Unterbrechung, der Gelbe Springer ihm voraus. Bis der Abend kam, und er sich ohne Hunger im Walde niederlegte. Nach zwei Tagen, in denen dem Verwahrlosten ängstliche Frauen, die ihm begegneten, Früchte und rohen Reis reichten, umging er bei Anbruch des Abends eine Wiese, aus der ihm das Singen und Rezitieren von Sutras entgegenscholl. Er erkannte neben einem Feuer den jungen Buckligen aus Nan-ku. Es war eine große Truppe.

In der Nacht, bevor er Ma-nohs Haufen verließ, kamen zwei Mädchen in sein Zelt. Sie leuchteten mit gelben Papierlampions an Bambusstäben über sich, lehnten die Lampions heimlich in eine Ecke. Sie wühlten den schlafenden Mann aus dem Strohhaufen heraus, rieben ihm die Augen, sahen nebeneinander kauernd aufmerksam zu, wie er sich aufrichtete, vorsichtig sein krankes Knie herumbewegte und langsam anfing zu lächeln.

Er trug einen langen braunen Kittel, seine groben Füße waren bloß. Jedes Mädchen nahm eine Hand von ihm und zog ihn in die Höhe, so daß er jetzt beide in die Arme nahm und sich auf die nachgiebigen runden Schultern stützte. So gehalten, die Köpfe aneinander gedrückt, warfen sie sich furchtsame Blicke zu. Die Jüngere im linken Arm zitterte und suchte die Finger der anderen zu fassen. Sie dachten beide, der schreckliche Zauberer würde mit ihnen durch das Zeltdach fahren oder als Schlange sich um ihre Hälse ringeln.

Aber Wang ließ sie los, strich ihnen nacheinander die geradegeschnittenen Ponys auf den Stirnen glatt. Sie waren entzückt. Die Jüngere schüttelte sich und knirschte mit den Zähnen. Sie kniffen in seine Arme, die er ausgespannt zwischen ihnen hielt. Sie tasteten rechts und links seine Muskeln ab, schoben sich an seinen Ellenbogen hoch, schwebten, indem die Ältere noch rechtzeitig den Brustausschnitt von Wangs Kittel erwischte, als die Jüngere schwankend an ihrer Schulter zottelte. Plötzlich bückte sich die Jüngere, die über Wangs Vorderarm schaukelte und mit den Fingern seine Brusthaut kratzte und klöpfelte, vornüber, wobei sie die andere mit herunterzerrte, biß in den Vorderarm dicht am Handgelenk wie ein junger verspielter Hund in einen Knochen, rutschte interessiert auf die Füße und stand nun kauend und schnappend da vor Wangs unbeweglichem gelbbraunen linken Arm. Sie blickte schief auf in das Gesicht des Mannes, wartend, daß er einmal zuckte, erschreckt, daß er noch immer nicht zusammenfuhr. Die Härte schmerzte ihre Zähne. Sie schmatzte ermüdet mit den Lippen und beleckte sich.