Ma-nohs Hand tastete nach dem Rosenkranz. Er richtete sich hoch, ging die Stufen zu dem verhängten Schlafzimmer des Chan-po hinauf; zog den Vorhang weg, warf sich, den Rosenkranz über die Brust gelegt, auf das Bett. Das ungewohnte Klappern scholl durch das Haus; im Hof schlug man Bretter zusammen; ein tiefes Singen wie aus dem Innern einer Blechkanne surrte aus einer Halle.
Man war nicht gerüstet. Man brauchte Ruhe, Zeit, Eindringen, Vertiefung, Mauern, Mauern! Bretterschlagen nutzte nichts; damit war es nicht getan. Morgen war man totgeschlagen; und es war nichts erreicht. Trappelten nicht schon die Füße der Verfolger? Voller Lärm das Leben, voller Haß und Angst: so ging es nicht. Mauern, Mauern! Hier waren Mauern, hier, hier!
Eine stürmische Freude über die Masse, die draußen über die Höfe wogte, durchdrang Ma-noh. Seine, seine Brüder und Schwestern, sie sollten den guten Weg gehen; seine Menschen. Besser als die Cakyasöhne.
Nachdem eine Stunde verstrichen war, kamen Männer vor das Zimmer, klopften an, ohne eine Antwort zu erhalten. Sie fanden Ma, den kleinen dürren Mann, auf dem Bett eingeschlafen, er schien sehr entzückt zu träumen. Er sprang auf, als sie leise wieder die Stufen heruntergingen.
Er war sehr still, ließ sich von ihnen die Hütte zeigen, die man für ihn bestimmt hatte, bezog sie.
An diesem Tage und am folgenden kamen keine Angreifer; die Gebrochenen Melonen zogen in gewohnter Art aus. Als schon fünf Tage verstrichen waren, hatte Ma-noh kein Wort darüber verlauten lassen, was weiter geschehen sollte. Er wartete. Wenn er die Höfe abging, war seine fliehende Stirn in Falten gelegt; man störte ihn nicht; sein Ausdruck war gefährlich. Ma mußte an sich halten; er sah die Grenzen seines Vermögens; der Bund stürzte in Abgründe und er konnte es nicht hindern. Zähneknirschend mußte er warten, bis die Brüder zu ihm kamen, selbst um Mauern bettelten. Er wagte diesen Vorstoß gegen ihre Freiheit nicht; er hatte Widersacher; man würde ihm nicht folgen. Sie genossen ihre Sicherheit. Sie wollten das Schicksal herausfordern; es sollte sich nur entladen!
Juen mit einem fast quadratischen Gesicht, einer auffällig plattliegenden Nase, kalten Blicken, einem Schädel fast ohne Hinterhaupt, hatte eine sehr wechselnde Art zu sprechen; meist sprach er hingehalten, klebend; ab und zu, es konnte sich um belanglose Sachen handeln, erging er sich in einem rapiden, scheinbar unmotivierten Ausbruch, mit hitziger Mimik und Geste, so daß man im ganzen die Vorstellung einer erheblichen Selbstbeherrschung des Mannes gewann. Im Grunde konnte davon keine Rede sein; er beherrschte sich, aber er beherrschte keine besondere Leidenschaft. Anfang dreißig, aus Sze-chuan gebürtig, Sohn eines reichen Federhändlers, im untersten Examen durchgefallen, ehrgeizig ohne Gaben. Er war bald träge, matt, bald wild; meist wild, er fürchtete seine Unklarheit vorzubringen. Er suchte unter die Bündler einzudringen, sich Ansehen zu verschaffen, indem er mit dunklen Worten in Erregung um sich warf, Worte, über die er selbst später nachdachte, weil er annahm, daß jede Gedankenarbeit in solcher Blindheit geleistet würde.
Die beiden Vettern Liu mehr banalen Charakters, Fanatiker, sehr ähnlich in ihrer Denkweise, etwa gleichaltrig; der kleinere Liu, der sich nach seinem Kindsnamen das Dreierlein nannte, zwar sanguinisch wie der andere, dabei aber zweifelsüchtig, fürchtend, daß nichts aus allem Gehofften würde, durch seine fatale Zweifelsucht selbst viel bedrückt. Sie arbeiteten früher in einem Porzellanwerk, dann ohne Beschäftigung verfielen beide aufs Goldmachen, das ihnen ein frecher Bonze beibringen wollte. Auch jetzt schleppten sie noch kleine Zinnoberkrügchen mit sich herum; sie erwarteten Großes von den Kräften, die ihnen das Wandeln im Tao verleihen würde: vielleicht würde ihnen die unsterblich machende Pille gelingen.
Juen verwickelte zuerst den Führer ihres Bundes in ein Gespräch darüber, was nun geschehen sollte. Er fügte sofort hinzu, daß nach seiner Ansicht es gar nicht nötig sei, das Kloster zu verlassen. Die Priester würden sich schwer hüten, einen tätlichen Angriff zu inspirieren; und ob die Regierung ihnen helfen würde aus freien Stücken, dürfte sehr zweifelhaft sein.
Ma-noh zeigte sich interessiert, legte ihm nahe, herumzuhören, was man dächte über die Zukunft des Bundes.