„Vielleicht Hilfe, Ma. Ich habe mit den Heerführern verhandelt, die gegen Yang-chou heranziehen und euch schon umzingeln. Man wird für drei Tage nichts Unmittelbares gegen euch unternehmen. Für diese drei Tage habe ich freie Hand, mit dir und euch zu verhandeln.“

„Ich bin der undankbaren Aufgabe dankbar, weil sie meinen Bruder Wang zu mir führte.“

„Ich will nicht dulden, daß die Henkersknechte und Blutsoldaten über euch herfallen und ihre viehische Grausamkeit an euch befriedigen. Ihr wart meine Brüder und Schwestern, du bist es mir von Herzen wieder geworden. Ihr sollt nicht in diese Hände fallen. Ihr werdet euch zerstreuen, dies hab ich dir zu sagen und zu raten. Du wirst nicht darum in Zorn verfallen. Du sollst hingehen und die Glocke anschlagen lassen und sagen: das furchtbare Schicksal hat uns so angegriffen, daß wir uns nur noch wie die Grillen in Töpfen regen können. Es hat niemand zu urteilen, ob wir recht gegangen sind. Wir sind recht gegangen. Jetzt müssen wir uns trennen und wandern, um nicht wie die Kälber abgestochen zu werden. Du läßt sie alle; sie werden aufatmen, wenn du es ihnen sagst und keiner sie hindern wird am Gehen. Und wohin du selbst gehörst, Bruder Ma-noh, das weißt du doch jetzt.“

Ma-noh lächelte friedlich.

„Willst du nicht die Glocke selbst anschlagen und zu den Brüdern und Schwestern reden?“

„Sie sind deine Anhänger.“

„Nicht mehr. Geh doch einmal auf den Markt, ruf sie zusammen, rede, es wird dich belehren. Sie wollen keine Stimme wie ich selbst. Sie sind rund und nett — verloren. Wie ich selbst.“

„Du bist versunken, Ma. Ihr seht alle kraftlos und hinfällig aus. Ich bitte dich, ich flehe dich an, Ma-noh, lieber Bruder, ich lege mich vor dir auf die Stirn: geh mit mir auf den Markt, schlage die Glocke an, rede und zeige auf mich. Ich habe euch alle lieb; was du mir bist, habe ich dir vielleicht mit zu schwachen Worten geschildert. Ich habe die langen Monate dieses entsetzlichen Jahres um dich gelitten und nach dir verlangt, wie kein Verliebter nach seinem Knaben. Du kannst dies nicht über mich verhängen, daß du mich hier wegschickst und alles kommt, wie du weißt: die viehischen Horden schlachten die guten hoffenden Brüder und Schwestern, — sind sie denn vorbereitet, Ma, sind sie vorbereitet? Du selbst wirst mir geraubt, der mein Juwel in der Seele war. Mich schickst du hoffnungslos im Lande herum, und habe nicht genug Hände, um für euch alle zu opfern. Steh nicht so schlaff da, tu mit mir, komm mir doch einmal zu Hilfe.“

„Wie du in mich drängst, Wang. Wie du mich ehrst. Als ich König meiner schönen, schönen, schönen Insel war, habe ich nichts empfangen, was mich so ehrte. Daß ich dich gewonnen habe, tut mir sehr wohl. Aber ich vermag nichts, Wang.“

„Warum vermag mein Bruder nichts?“