Er pfiff durch die Zähne, sah rückwärts, drohte über die Schulter einem jungen Hündchen. Stiefel und Kleider, die brauche sie für die Eidechsen nicht, die liefen auch über den Sand, wie sie unser Herrgott geschaffen habe, und die Frösche haben nur ihre Haut bei sich. Ein wollenes großes Tuch brachte der Alte ihr, dann schwieg er und betrachtete Julie mit wiegendem Kopf, wie sie ganz bloß oben stand. Er schwelgte: „Ein feines Krokodil bist du geworden. Ei.“ Streichelte ihre Hüften und Lenden und sie weinte.

Als sie drin im warmen Sand, zwischen Laub- und Astwerk lag, rief der Alte am Fenster: „Liegst du schön?“ Und ein paar Stunden später: „Scheint auch die Sonne gut?“ Die Vögel flogen zu ihr herunter. Sie hatte zuerst Angst. Eidechsen liefen neben ihr, die Stichlinge schwammen im Tümpel. Dann dachte sie: „Ich bin ein Krokodil und kann euch alle auffressen.“ Da fürchtete sie sich nicht mehr. Nach einer Weile standen Ziwels rote Haare oben am Rand des Bottichs; sie hatte sich unter ihrer Decke versteckt, ihr war bange, er würde mit einem Stein nach ihr werfen. Aber er schlüpfte herunter.

In ihren Ohren tönte noch grausig das Hufklappern der Kavalkade, Sankt Nikolaus. Wie die Tante in der

Villa sorgfältig alles umstellte, die Türen verhängte, dreifache Vorhänge vor ihrem Bett anlegen ließ, damit niemand ihr Fell sehen sollte. Wie sie sich heimlich gequält in ihr Bett drücken mußte. Sie biß sich auf die Unterlippe, blickte um sich: „Hier wird mich keiner verjagen.“

Sie rief Ziwel. Van der Meeren meldete sich; wenn ihr der Rotkopf lästig würde mit seinem Blasen, sollte sie ihn wegschicken.

Ziwel balancierte mit einem Suppenteller in den Bottich herunter. Der Alte warnte: „Du tust unserem Krokodil nichts.“ Ziwel tauchte die nackten Füße in den Tümpel; die Fische schnappten nach seinen Zehen, als wenn es Köder wäre. Julie lachte. Die Backen blies er auf, hüpfte mit hervorquellenden Augen wie ein Frosch zu ihren Füßen und quakte. Den Teller setzte er sich auf den Kopf, das war ihr Tisch.

Abend um Abend hob sie van der Meeren aus dem Bottich, die Röcke band er ihr im Erlengebüsch. Sanft blies Ziwel oft im Bottich; die Stare und Rotfinken setzten sich im Kreis auf den Bottich und hörten zu. Aber wie es Winter wurde, merkte der Alte, daß das Krokodil schwerer geworden war. Sie seufzte mit, wenn er unter ihrem Gewicht seufzte; zwischen den Erlen fragte er: „Soll dich Ziwel noch bedienen?“ So demütig antwortete sie: „Laß ihn kommen; er soll nur immer kommen.“

Ihr Leib nahm nicht zu an Umfang; sie atmete tief und schwer; nach dem Herzen drängte es ihr herauf. Ziwel kam nicht mehr in den Bottich; der schweigende Alte wälzte ihre hölzerne Wohnung in seine niedrige warme Stube; auch da umschwärmte sie das Getier. Vergeblich rief sie nach dem sanften Rothaar; der mußte immer weg; der Alte brummte, er müsse in den Wald, Tierfallen zerstören, Vögelchen, die aus dem Nest gefallen waren, füttern.

Wie der Seelord den Zobelkragen hochschlug und die Schneeblumen an seinem Fenster mit kleinen Augen bewunderte, knarrte Julie ungeduldig mit ihren roten Schuhen auf dem Teppich, so daß er sich umdrehte. Aber dann fand sie nur den Mut, sich von ihm unter der Drachenampel küssen zu lassen. Der prunkvollen schönen Tante, dieser mochte Julie gern etwas antun; am weißen Winternachmittag saß die Dame großäugig, mit warmen Mienen vor ihrer breiten Kaffeetasse; ein Araceenblatt kaute das Fräulein und erzählte von Ziwel und wie es draußen ginge so schön. Das Fenster mußte Julie bald schließen, laut stöhnte die weiche Dame; in die Tasse, auf das Samtkleid fielen tausend Tränen.

Der Bottich des van der Meeren stand von nun an leer; das eiserne Gittertor öffnete sich nicht mehr für Julie. Sechs und eine halbe Woche vergingen, dann brachte Julie ein totes Kind zur Welt, und niemand wußte davon als die dreifachen schweren