Julie sperrte ihre Tür ab. Sehnsüchtig sah sie zum Fenster herunter auf den Araceenbaum. Voll Angst erwartete sie den Bräutigam: „Was werdet ihr mir heute tun? Was wirst du mir heute tun?“ Sie hängte sich an seinen Hals: „Laß mich bleiben wie ich bin. Laß mich nicht werden wie früher.“
Sie weinte und küßte ihn. Er fragte: „Was fürchtest du, Julie?“
Sie strömte Tränen: „Ich muß wieder unter die Aracee.“
Und nach zehn Tagen zog sie in das stockdunkle Haus die Tante auf ihr Zimmer; eine Kerze trug Julie, ein kleines brennendes Licht vor sich. Der Bräutigam stieg hinter ihnen. Von dem Bett waren die dreifachen schweren Vorhänge gerissen, blütenweiße neue, mit Bändern geziert hingen an ihrer Statt. Die Kerze fiel Julie aus der Hand und zersprang. Sie schrie und schrie, daß die Tante davon lief im Finstern.
„Meine Vorhänge, meine Vorhänge? Herr Wetzling, wo stehen Sie?“
Die Tante erschien mit einem Licht.
„Sie fürchten sich vor meinen Vorhängen, vor
meinen Salben, Herr Wetzling. Und meine Bäder mögen Sie auch nicht leiden. Dann will ich Ihnen etwas anderes melden. Hebe das Licht höher, Tante, damit er mir auch gut ins Gesicht sehen kann.“
Sie drehte sich um und zerrte die Bänder aus dem Bettvorhang und zerkrallte sie. Sie biß wie eine Rasende in die weißen Betttücher: „Ich schäme mich nicht, nein ich schäme mich nicht. Ich will mich nicht schämen brauchen.“
Sie brüllte, über dem Bett liegend; ein Schuh fiel ihr ab.