„Wo ist mein Kind? Wer hat mein Kind begraben?“

Der Freiherr zitterte mit den Lippen, die Tante drehte sich gegen die Tür.

„Wissen Sie nichts von meinem Kind? Man hat es ihnen nicht gesagt? Ich bin ein Krokodil und habe eins geboren. Mein Mann ist Ziwel, der rote, das ist mein Gemahl. Wissen Sie’s nicht? Wissen Sie’s jetzt?“

Die Tür schlug ein; man ließ sie im Finstern arbeiten.

Im Garten kroch am regnerischen Morgen eine große Weinbergschnecke über den Kies. Das Fräulein sagte, über die Schnecke gebeugt, auf den Knien: „Wenn man mich sticht, geh ich in mein Haus zurück; sonst krieche ich wie du. Man kann meine

Spur sehen; jeder, der will, kann sie sehen. Schneckchen, wir dürfen uns nicht beschämen lassen. Wir sind keine Diener.“ „Ach,“ flüsterte sie nach einer Weile, streichelte an sich herum; sie war vom Wasser begossen, „mein süßer süßer Leib, ich bin froh, daß ich dich habe. Ich laß dich von keinem beschmutzen, und wenn ich auch noch Schuppen hätte. Es geht keinen was an. Wo kriechen wir hin, wir beide, mein süßes Schneckchen, mein feines Herrchen, mein schnupperndes Tierchen. Wohin, wohin.“

Die Schnecke kroch unter den Baum, die Aracee, blieb da. Julie glühte und jammerte, warf sich in den Klee, zog die Gummiblätter über das Gesicht.

Am Mittag hörte der Regen auf. Den steinigen Weg herauf ratterte ein kleiner tropfender Wagen. Vor dem Baum hielt er; eine tiefe Stimme: „Hier stinkt es. Ziwel, halt an.“

Eisen klapperte, Meeren nahm seine Schippe über die Schulter, stieß ohne zu klingeln das Gartentor auf. Mit dem Fuß klopfte er an das Knie des Fräuleins am Boden: „Wer fault hier bei lebendigem Leibe. Ziwel, komm greif zu.“

Zwei Hände faßten Julie unter den Kopf und die Schulter, zwei an den Beinen. „Wir wollen sie begraben.“ Sie schleppten Julie auf den harten Wagen. Julie blinzelte, ob die Dogge die Männer beißen werde; aber das gelbe Tier sprang vor die Deichsel und ließ sich anspannen. Im Wald, wo sie die Blätter