Der Dänenkönig trieb seine Werbungen auf dreißigtausend Mann zu Fuß und achttausend Reiter; zu Hamburg erlegte England monatlich dreihunderttausend Gulden; achtzigtausend zahlten die Generalstaaten. Aus Venedig trat Graf Heinrich Matthias Thurn, der Böhme, der Hauptrebell, capo di guerra, in dänische Dienste. Fünf englisch-schottische Regimenter setzten unter Karl Morgan über den schäumenden Kanal, drei Regimenter Schotten ließen sich von Christian anwerben. Graf Ludwig von Montgommery trieb viertausend Franzosen im Marsch nach Norden. Ein schwedischer Gesandter erschien, der König Gustav Adolf versicherte den Bund seiner Sympathie; er stünde noch in Polen in Kämpfen; man möge ihm Zeit lassen, er würde rechtzeitig kommen.

Auf die Werbungen der Obersten waren von Wallenstein vorzustrecken zwischen sechshunderttausend und eine Million Gulden. Während der Unglückstage in Ungarn waren von eigenen meuternden Truppen der Feldzeugmeister Graf Schlick und del Maestro gefangen an Bethlen Gabor abgegeben worden; ihre Auslösung erforderte hunderttausend Reichstaler. Die Ausarbeitung eines Verpflegungssatzes für die einzulagernden Truppen übernahm der Serbe Michna, der hündisch am Herzog hing; jeder einquartierten Kompagnie waren zunächst seitens der Bevölkerung siebenhundert Gulden zum Unterhalt zu reichen. De Witte spannte seine Einbildungskraft und Energie an, nützte seine Beziehungen zu Bassewi aus, an die reichen Geldquellen der portugiesischen Juden in Hamburg heranzukommen; die Herren Fernando Cardosi und Henriko Rodrigez wurden gewonnen; sie beherrschten den Handel mit ostindischem Kattun Gewürzen Rohrzucker, hatten die Hamburger Bank begründet; auch der junge Diego Taxaira wurde sondiert. Indem sie Geld auf den Namen de Wittes Bassewis und des reichen Friedländers hergaben, drangen sie darauf, daß das Unternehmen auf die größte und sicherste Basis gestellt werde; de Witte wies darauf hin, daß er, Michna und der Herzog persönlich mit ganzem Hab und Gut beteiligt wären.

Von Prag wurde das Gerücht ausgesprengt, es ginge auf das Reich zu, man werde plündern wie nie. Um die Galgen herum schlichen die Werber, in die Wunderhöfe der Bettler; ließen Regimentsspiel erklingen, stellten sich vor die Zunftstuben, Gesellenhäuser. Es gab niemand, der zu schwach war, und niemand, der verworfen war. Über die verschneiten Felder fegten sie, hoben Lebensmüde hinter Gartenhecken auf, spähten an Flußläufen entlang. Sie mieteten sich Gauklertruppen, um Menschen anzulocken, Quacksalber Feldscher Handleser liefen neben ihnen. Sie erzählten von Wunderdingen, die sich begeben sollten im kommenden Frühling und Sommer, der deutsche Kaiser ziehe aus Wien mit erstickender Macht gegen die Niedersachsen, Dänen; Wallenstein sei sein Feldherr, der halb Böhmen besitze und geschworen hätte, sie sollten ihm nicht entgehen oder er wolle in die Hölle fahren. Die Kranken, dienstlosen Söldner, Bettler rafften sich aus den Gassen, von den Kirchhöfen auf, ließen ihre Krücken und Schnappsäcke liegen, der finsteren Verstumpfung, dem Gram entrissen. Wilder sprangen sie vor der Trommel, sie waren die Herren, Totschlag und Diebstahl haschten vergeblich nach ihnen, es gab Ehren; entwischt waren sie, es gab Fahnen und wilde Federn, Pferde, Fräulein, Würfel, Wein, Fraß, Musik. Bürger und Bauern mußten verbleichen; konnten ihre Güter taxieren; die Söldner taxierten noch einmal. Mit Grauen sahen die Dörfer die Scharen von den Musterplätzen kommen, fahnenschwingend klimpernd singend säbelgegürtet buntfedrig, herrliches Geld in dem Säckel. Der römische Kaiser rief auf. Wie sie tosten, als gute Brüder taten. Daß den Bauernburschen die Herzen gegen die Rippen hämmerten, Vikar und Diakon sich erbarmten; hinaus: auf ein Jahr, nur ein Jahr. Viele Nester leer, Sensen ohne Hände, alte Männer an den Pflügen, Krieg. Wie ein heftiger Wind, der die Bäume schüttelt, reife Früchte abnimmt, hinwirft vor die Füße zum Mitnehmen. Trübe Ehen wurden zerschlagen, die Männer nahmen die Pike und Muskete, fühlten sich frei vor dem Tod. Die Türen der Frauenhäuser wurden erbrochen, die Weiber strömten den Sammelplätzen zu, wo die Mannheit auf die große Wanderschaft ging, heute alles, morgen nichts, übermorgen verfault. Mit Erschütterung drang der Trommelschlag an die Herzen der Studenten, in den Bursen, Stiften; über die Folianten blickten sie weg an die Fenster, ihre Lauten und Flöten ließen sie liegen, schlichen nicht aus den Winkeln, waren nicht lustig, nicht traurig, wagten sich nicht hervor an die eisigkühle klangdurchtobte farbenschwingende Luft; bis sie die Hände an die Ohren schlugen, wild an den Häusern der Lehrer und der Liebsten vorbeirannten, davon; tonlos vor dem Werbekorporal, blaß: „Da bin ich.“ Die Mönche in den Klöstern auf dem flachen Lande horchten auf, senkten betend ihre Köpfe tiefer; draußen vor den Gittern standen die älteren Brüder und Oberen sorgenvoll, die Züge schwärmten trotzig und lachend, windgetragen, vorbei; durch die vollen Speicher Scheunen Ställe gingen die Mönche, sahen stumm im Refektorium die kostbaren Kelche Bilder, verriegelten die Gitter, beteten um den Segen Gottes.

Wallensteins Werber ritten nach Polen, Kosaken aufzubieten; in Wallonien brachen sie ein, in Lothringen, sein Geld floß nach Ungarn Kroatien Dalmatien, riß die Menschen zum Würfelspiel nach Deutschland gewaltsam, massenhaft. Er lockte die Zusammenbrechenden aus Böhmens Not her; die Werber stachelten: „Was jammert Ihr. Ihr werdet’s nicht ändern! Seid Herren, rasch, rasch, Herren, mit der Pike und Muskete!“ Stöhnend folgte ihnen, was den Jammer satt hatte, verfluchte sein Schicksal, seine Heimat; mit hineingerissen in ein finster freudiges niederbrechendes Ungewitter; ihre Füße schwangen. Wollten abrechnen; Deutschland war da; abrechnen, daß kein Tröpfchen Fett auf der Milch schwamm.

In den Kirchen fingen die Priester für Wallenstein zu werben an. Auf die protestierenden Zyklopen und Pelagier ging es, auf die Epikuräer, Beschützer der Säue, die Kalvinisten, Blutsäufer, Herrgottsfresser. „Was wollen sie mit dem Evangelium des Markus Lukas Matthäus Johannes? Den Heiland und sein Werk in Grund und Boden kritisieren, spintisieren, destillieren, die Quacksalber am Leib unserer heiligen Kirche. Das Evangelium ist zäh, frisch, ledern, für überscharfe spitze Zähne; die Kirche läßt es Euch gut abhängen, daß es mürbe wird, gibt’s in den Rauchfang, stellt sich als gute Metzgerin dazu, hackt Euch heraus, was gut schmeckt und nährt; immer kochen wir Euch ein Süppchen, schmoren, braten, daß Euch der Magen sich wälzt. Seht hin auf die Lutheraner und Kalvinisten; sie gehen herum mit herben sauren Mienen; der Darm ist ihnen überlastet, sie können’s nicht verdauen und lassen doch nicht davon. Ich will Euch purgieren, liebe Seelen, daß Ihr alle keine schmähliche Not leidet. Wer auf Erden hat das beste Himmelreich, der Lutheraner und Ketzer oder der Katholik? Nun ist es ja schon unglaublich, daß Ketzer ein besseres Himmelreich haben sollen als fromme Katholiken. Wer sagt überhaupt, daß Ketzer in den Himmel kommen, wo doch die Hölle ihnen besser ansteht? Aber nehmen wir an, gesetzt wir täten’s, sie seien Christenmenschen, die unwissentlich sündigen. Sie haben noch nicht geschleckt an unsern Zuckerwaren, ihnen ist das Manna noch nicht ins Maul geloffen, das uns täglich so herzlich befriedigt, bei jeglicher Jahreszeit und Witterung; sobald wir nur die Augen aufreißen, fängt das Manna an zu fließen, ein unbeschreiblicher, erschreckender Überfluß — nur jenen Elenden nicht, die zu faul sind, sich in ihren Betten wälzen und unser gottgefälliges Frühläuten gar als Störung ihrer lästerlichen Ruhe betrachten. So also, sage ich, ist diesen unwissentlichen Sündern entweder das Fegefeuer oder bestenfalls ein Vorraum zum Paradies bereitet. Geduldet werden sie, vielleicht nicht sehr geplagt, Behaglichkeit, etwas flauer Spaß ist alles, was ihnen gelegentlich, sonntäglich blüht. Das also wäre so der Fall, wenn es so wäre, wie es sollte und sie unwissentlich sündigten. Aber es ist gesorgt dafür, daß der Andrang im Vorraum nicht gar zu groß ist. Aus allen Ständen hat der Heiland und Herr Menschen berufen, um Raum zu schaffen. Sie haben sich nicht gescheut, die frommen Männer und echten Papisten, die Fahnenschwinger und Kreuzesträger, die Sünder und ihr schmutziges, struppiges Fell anzupacken. Sie sind es, die die Sünde wissentlich machen. Jetzt geht ein Jubel durch die Welt; es ist zu Ende mit dem lauen Zupacken, ja einen Stoß kriegen sie von rückwärts ins Steiß, der sagt: aufgepaßt! Aus Gnade und Mildtätigkeit tuen sie so die wahren Papisten, damit das Zittern und Zähneschnarren über die verdammlichen Lutherbuben komme, daß die Reue sie zusammenpreßt und wie erbärmliche lächerliche Klümpchen in den Richtstuhl und Beichtstuhl treibt, flehend, man möchte sie aufheben, ihnen das Paradies öffnen. Und wahrlich, genug Überwindung gehört dazu, sie aufzuheben. Jetzt ist nicht mehr Zeit, vom protestantischen Himmelreich zu sprechen. Der Satan ist informiert; er hat Auftrag, grimmig für Vorrat zu sorgen an Knechten Messern Kübeln Bottichen Holz Blasebälgen, auf lose Backen nicht zu vergessen, kräftige Fäuste, die Sünder anzupacken und hin und her zu schleudern, Eisen und Haken, das Feuer zu schüren.

Die Böcke laufen herum, nicht jene, auf denen Satanas und die Hexen reiten, sondern andere, heilsam, die die Sünder auf die Hörner packen, spießen, sich durch die Luft zuwerfen und so sich die Zeit vertreiben mit Ballspiel. Für die Stolzen und Übermütigen springen dürre Affen herum, die sich anklammern an ihre Röcke und Wämser von hinten, mit beiden Händen ihnen unter die Achseln greifen, mit den Beinen vorn über den Bauch, und nun kitzeln, kitzeln, daß sie lachen. Ja, jetzt können sie lachen, brüllen, sich winden, daß sie blau werden und bersten. Und vor ihnen steht ein Teufel, schlägt ihnen ins Maul, schreit: Ruhe! hält dem Affen einen Krug hin, damit er nicht verdürstet. Was ist das für ein Gelächter in der Hölle! Fürwahr ein anderes als das sanfte melodische in unserm Himmelreich. Ein Tier ist da und kriecht herum, dessen Bauch an hundert Quadratmeilen mißt. Seine Schnauze ist die eines Hundes, sein Leib weiß und fett wie eines Schweines, seine Füße grün mit knotigen kolbigen Zehen wie ein Frosch. Es sitzt da, das Untier, in einer Ecke und immer, wenn die Hölle vor ihm recht dick voll ist, bückt es sich mit einem knallenden Schnalzer, schluckt hundert Verdammte, läßt sie in Schlund und Magen herumwirbeln, da wühlen sie in Sudel, Wust, Lauge, dann würgt er sie wieder aus, holt die hundert wieder und noch zehn-, zwanzigmal, bis er satt ist, und speit sie dann auf einen Patzen hin. So spült sich das Tier den Rachen, schnappt zum Rest mit den warzigen lappigen Lippen die hundert an den Füßen, schleudert sie im Kreis, bis sie trocken sind, dann läßt es sie los.

Soll ich Euch von den Teufelsschlossern erzählen, die die Menschen schmieden, als wenn sie Schmiedeeisen wären, von den Tischlern, die die leibhaftigen Menschen zersägen und sich Stühle und Schemel aus ihnen machen, um sich darauf zu setzen bei ihren Untaten. Da müßte ja der Christ ein Narr sein, der derartiges erdulden wollte aus purer Halsstarrigkeit. Aber dumm sind meine Lutheraner nicht, sie sind mit vielen Wassern gewaschen und mit den meisten die unter ihnen, die sich Gelehrte, Prädikanten schelten und fromme Seelen verlocken. Für sie ist eine besondere Strafe erfunden, damit sie, die im irdischen Leben etwas Besonderes waren, sich auch dort dessen rühmen können. Da hängen so zierliche Seilchen von der Decke der Hölle herunter, versteht Ihr recht, Seilchen, nicht viele, denn gar so viele sind nicht so schlimm. Nicht gut kann man die Seilchen sehen, denn ein Dunst, ein Nebel, ein Wrasen wie aus einem Kochtopf steigt immer von unten auf. Und wenn die Teufel nun so einen erwischt haben, so eine abgelebte alte Prädikantenmißgeburt, die vermeinte, flugs und unversehens in den paradiesischen Vorraum zu schlüpfen, so heben sie ihn sacht auf ein bequemes Schemelchen, binden ihn an zwei Seilchen, ziehen ihn hoch und lassen nun den Wrasen gehen, verkleben ihm auch schön die Ohren mit Pech. Und täglich kommt zu einer Stunde ein Teufel, nimmt ihm das Pech aus den Ohren heraus und tut mit ihm disputieren, damit sein hoher Witz sich gar nicht abstumpft. Das scheint Euch nichts? Oh, oh! Das lebt, das sieht nichts, das hört nichts. Vom Dampf verschrumpfeln sie wie Äpfel, sie sitzen den ganzen Tag in der warmen Nässe wie Waschfrauen, tropfen, ziehen keinen Zug gute Luft und werden nicht trocken. Mögen sie sich umgucken, mögen sie in den Rauch hineinschnappen, ob’s nicht wo was zu sehen gebe: ist nichts zu sehen. Sie tropfen, verschrumpfeln, verfaulen in langer Weile. Nur eine Nadel steckt in der Rücklehne des Schemels, die bohrt sich in ihre Rücken, wenn sie einschlafen wollen. Möchten nur recht viel von ihnen kommen, wären die geplagten Teufel froh genug und hätten ihre Ergötzlichkeit. Wie sie sich drehen auf ihren Schemeln, möchtet Ihr sehen, wie sie rasen, nicht trocken werden, den Dampf wegblasen wollen und unten kochen sie immer weiter, wie sie schäumen gleich den wütenden Ebern, wie sie sich anfallen in der Einsamkeit da oben an den beiden Seilchen schwebend an der Decke der Hölle, sich die Knöchel zerbeißen, sich gern umbrächten, wenn sie nur könnten. Da ist nichts in ihnen als Schäumen und Rache, Geschrei, Gewein, bis sie müde werden, und wenn sie wieder frisch sind, dann sehen sie wieder nur sich und es ist nichts.“

In den neugläubigen Landkreisen ließen die Werber die Parole „deutscher Kaiser“ gehen, mit Macht suchten sie Protestanten zu gewinnen, Wallenstein hatte mit den stärksten Ausdrücken darauf gedrungen; er hatte befohlen, Anlauf- und Antrittsgeld zu verdoppeln, wenn es Lutheraner und Kalvinisten gälte. Heftig sprudelten und schäumten die frommen Kreise der Erblande dagegen, schwer konnten sich die jesuitischen Gesellschaften beruhigen. Der Herzog gab kein Wort der Erklärung; er wollte auch Lutheraner im Heer, hieß es in Prag. Von der Wiener Hofkammer und dem Geheimen Ratskolleg wurde auf des Friedländers schlaue Taktik hierin hingewiesen; er verfahre nach der allgemeinen Direktive, den Oppositionsmächten den Vorwand der Religion zu benehmen; man dürfe nicht länger sagen die garantierte Religionsfreiheit werde vom Kaiser bedroht. Der Herzog zog lutherische Offiziere in sehr großer Zahl an sich; kaiserliche Oberstpatente gab er ihnen. Die zu Bruck seinen Erklärungen beigewohnt hatten, begriffen scheu, daß sich seine finsteren furchtbaren Ideen vom Kaisertum dahinter regten: der Kaiser über Deutschland, und sonst nichts. Nichts von Kirche.

An seinen Wagen spannte er die ungeheuerlichen Wildgestalten der Herzöge von Lauenburg. Die verschuldeten Reichsfürsten, lahm daliegend, buckelten sich hoch und schüttelten sich, sie ließen sich die langen starken Leinen Wallensteins überwerfen. Der Mansfelder, abenteuerlich, bezaubernd vorüber tosend, hatte ihnen ins Herz gestochen, die Zungen klebten ihnen am Gaumen vor Gier. Rudolf Maximilian, der Sachsenlauenburger, ein haarschaukelnder Kentaur, langschenklig, stieß seine Fahnen im Erzstift Mainz in den Boden, ließ die rotblutigen Glotzaugen rollen, donnerte, schrie, kehlte Spießgesellen heran, Grauen verbreitend. Er war eine Röhre, ein Rinnsal, ein Kanal, Wein und Biere flossen von Morgen bis Abend über ihn; er war wie ein Schwimmer, ertrank nicht drin, schlug um sich, wie ein Fisch. Der Fürstbischof suchte ihn zu besänftigen, ließ ihm Proviant, Furage zufahren; er stopfte, was man ihm gab, ohne zu danken, behielt den Hunger. Seine Backen blaurot geädert; die Söldner sahen es mit Freude. Reich war das goldene Mainz. Kleine Detachements erbrachen Kirchen; wie Rudolf Max sagte, aus Verzweiflung. Und eines Sonntags machte sich der Herzog selbst auf, ging auf Lüttich zu. Da hatten seine Leute trefflich geworben, und als sein Quartiermeister kein Handgeld weiter hatte und die Reiter ins Saufen kamen, schenkte Max ihnen den Markt von Lüttich und die sechs einstrahlenden Hauptstraßen. Die Pferde standen parat. Die Bürger waren auf der Hut. Als man einige Pikeniere totgeschlagen hatte, andere aus Schenken Weinfässer fortrollten auf geraubte Karren und Wagen, wurden die widerstrebenden Bürger, die sich zu Hilfe kamen, umringt. Mordiogeschrei und Getümmel in die Finsternis hinein. Alarm die Glocken. Bei Morgengrauen saß das Untier, der barhäuptige Herzog, flüchtig in der Sakristei des Sankt Lambrecht Klosters auf den Stufen; die mitleidigen Mönche wichen angstvoll vor ihm aus, dem schnaubenden schweißflutenden, der sich entstellt den Brustharnisch schlug. Der Bürgermeister von Lüttich nahm sich drohend und höhnisch seiner an, heimlich in der Frühe zu ihm gelassen. Knirschend mußte der Lauenburger sich gefangen geben. Pferde Wagen Leute Soldateska im Stich gelassen. Knirschend mußte er sich vom Bürgermeister und Stadtsekretär die Knie binden lassen. Dann wie ein Kalb in den Sack gesteckt, auf einen Packwagen des Klosters geworfen, von Mönchen gefahren aus der tumultierenden Stadt über die Grenze. Fünfhundert Gulden hatte er dem Bürgermeister aus seinem Säckel geben müssen. In Mainz wurde er nicht stiller, warb sechstausend Mann zu Fuß, eintausendfünfhundert zu Pferd.

Sein Freund war der Herr von Gürzenich, Adam Wilhelm Schelhard Dorenwart; er hatte das Patent, in der Wetterau und den Nachbarquartieren ein Regiment zu Fuß aufzurichten, ferner zu seinen auf den Fuß gebrachten vier Kornetten Kürassiere sechs Kompagnien Arkebusierreiter. Eine Kartätschenkugel steckte ihm aus einem Gefecht in Ungarn mit dem Grafen Zriny in der Leber; sein Blut floß gelb. Nichts hatte er; auf sein ausgeschlagenes Auge und die Kugel im Bauch schoß ihm der Herzog von Friedland Anritt und Laufgeld vor; davon warf der Gürzenich vor die Soldaten keinen Heller, die Ausrüstung beschaffte er; Lohn hieß er sie sich selber holen. Auf einem stämmigen Rumpf mit krummen starken Beinen saß der kurze Hals mit dem gelben Kleinkindergesicht und den riesigen Kiefern. Seine Kompagnien stürzten sich über die Wetterau. An den Weibern hatte ihr Oberst solchen Spaß, daß er schwur, kein Weib im Umkreis zwischen vierzehn und vierzig Jahren sollte passieren, ohne sich seinen Leuten ergeben zu haben oder über die Klinge zu springen. Und wenn seine Leute auch die Ernte wegfräßen und die Menschen verdürben, krächzte er voll Wonne, so wollte er doch verbürgen, daß ihre Aussaat unvergleichlich sei, prächtig, gescheckt braun und purpurn mit der Franzosenkrankheit, geschwürige Embleme auf der Haut, wie sich für Adlige ziemt, schöne Kielköpfe, pralle Wasserbäuche; man würde nicht wissen, wenn sie auf den Beinen stünden, ob sie besser watscheln, schwimmen oder fliegen könnten; aber rauben, saufen und stehlen würden sie, so wie sie das Tageslicht erblickten, so gewiß ihre Väter es täten.