Hochgerissen neben ihm die Kaiserin, die junge verwirrte sich entfremdete Mantuanerin. Sie litt das Glück wie er, gräßlich heimgesucht, in ihrer Entwurzelung schwankend, hilflos. Sie ritten ohne Dienerschaft spazieren durch die Wälder von Schönbrunn, beide auf hohen weißen Pferden, lange Reitstöcke wippten in ihren Händen. Farblos ihre beiden Gesichter. Eleonore fragte, ob er sich besinne, wie er sie einmal nachts habe rufen lassen; es sei vor der Ernennung des Friedländers zum General gewesen. Sein häutiges Gesicht vibrierte, seine Augen strahlten, er blickte fasziniert vor sich: „Ich habe gelacht. Ich habe lachen müssen über unseren Schwager, den Maximilian. Er hatte mich dazu gedrängt.“ „Du hast dich in Wallenstein nicht getäuscht; wie ich mich freue mit dir.“ „Ich habe gelacht. Ich habe recht behalten. Er hat mich sehr beglückt.“ „Er hatte dir Schlimmes angetan, dein Schwager; warum hast du ihn zum Kurfürsten gemacht. Jetzt hast du Macht, beseitige ihn.“ So weggenommen von Träumen war er, daß er nicht auf die heißen Augen achtete, den zudringenden Ton in der Kehle der Frau. Er hieb, Lachen ausstoßend, auf Äste neben sich: „Ist nicht nötig, Eleonore. Nicht mehr nötig. Was Gott übernommen hat, liegt in guten Händen. Wir werden — wir werden unsere Feinde im Zaume halten, wie keiner vor uns. Es ist uns um nichts mehr bange. Wir werden an der Ostsee gebieten wie am Adriatischen Meer. Die Ketzer werden sich hinter das Wasser verkriechen.“ Er war in Zittern aufgelöst. Sie schrie, während ihr der Stock entfiel und sie sich an der Pferdemähne festhielt. Glitt vom Pferde, die Tränen liefen über ihre beiden weißen Backen; wild weinte sie, sich am Zügel seines Schimmels haltend, während er in das Grün hineinsprach und zu ihr herabnickte. Sie streichelte mit beiden Händen sein Pferd, seine Füße, Gamaschen; er solle nicht sprechen, er solle still sein. Ja, sie wolle wieder auf das Pferd steigen, aber wenn er nicht mehr so zu ihr spräche und gut zu ihr wäre.

In der Burg stand er an einem Herbstmorgen am Fenster seiner Schlafkammer. Wie er hinunterblickte auf den Hof und der Narr Jonas unten trollte, fühlte er sich jäh hingezogen. Mit hellem Gelächter begrüßte er am Schuppen den Zwerg, der Kobolz schoß und gierig auf seine Hand blickte. Ferdinand sah hoch, ob ihn einer vom Fenster beobachte. Als wenn seine mageren Glieder zuckten, sprang er spielend über den Kleinen, der im Sand rollte neben Brot und umgekippten Eßnäpfen, reizte ihn mit der Fußspitze, griff von oben nach ihm, schlug seine Hände zurück. Menschenfresserisch knirschend zog er ihn auf, schaukelte ihn mit zauberischem Schlangenblick flüsternd vor der Brust. Mit brünstigem Vergnügen riß Ferdinand, der Degen und Wehrgehenk in der linken Hand trug, das Türchen zum Keller auf; in den Dunst ließen sie sich herunter, schlugen ein Faß an, zechten. Ferdinand erbrach im Augenblick. Sie schrien triumphierend, bellten die Decken in der Dunkelheit an, drohten, kicherten, reizten die Fässer zum Kampfe. Bis sie frech auf dem Rücken über die Steine kollerten, mit den Armen schaukelten und immer einzelne Worte trillerten schnoben herausbrüllten, wobei der andere das Echo machte: „Papst! Papst.“ „Urban! Urban.“ „Papst! Papst.“ „Jonas.“

Sie platzten vor wonnigem Lachen. Und als Ferdinand wieder würgte und nicht mehr trinken konnte, bat er den Narren, einen Eimer zu nehmen und Wein ihm auf den Kopf zu gießen, auf die Brust, immer mehr.

„Ich bin ein Heide, Herr Papst. Taufe er mich, Herr Papst.“

Und der betrunkene Zwerg zelebrierte über dem Kaiser die Taufe.

Ende des ersten Bandes

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Druckfehler wurden, zum Teil unter Hinzuziehung späterer Ausgaben, korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):