„Darum sitz ich hier. Wir haben erkannt, daß sich Bayern zuviel vom Siege einsackt. Das ist auch Habsburgs Krieg. Man drängt uns an die Wand. Ihr wißt, Pater, was das kaiserliche Haus bezahlen muß. Darum greif ich lustig nach dem Sieg als meinen Sieg. Wie viele Gefangene hat der alte Tilly gemacht, wie viel Kartaunen Singerinnen Feldstücke und Totenorgeln haben sie eingeheimst in dem einen Sommer! Standarten Fahnen! Und wir wagen nicht, den Mund aufzumachen —, als wenn es unsere Kanonen sind, die uns abgenommen wären, als ob wir mit eignen Leibern geblutet hätten. Lamormain, sing Er vom Heidelberger Faß vor der römischen Majestät! Und erzähl’ uns, welche Aufnahme er gefunden hat.“

Der hagere Vizekanzler war neben dem Priester stehengeblieben; er zog ihn neben sich auf einen Schemel. „Lamormain. Wohin soll dies führen? Die Dinge laufen noch gut im Geleise. Wir sind in Sorge. Seht, das ist alles. Ferdinand hat etwas im Sinn, dessen wir nicht gewiß sind. Wie hat die himmlische Mutter die katholische und kaiserliche Sache gesegnet. Wir sind besorgt.“

„Graf Strahlendorf vermeint doch nicht, mein Beichtkind möchte unserm Glauben Abbruch tun?“

„Tut es der Kaiser nicht mit Plan, tut ers ohne. Aber Ihr seht hier diese rechtschaffnen und kundigen Männer in Unruhe. Und möchtet Ihr sagen: ohne Grund?“

Der Pater sann beiseite gegen seinen rechten Arm im struppigen Schafspelz: „Der Kaiser hat dem letzten Unternehmen nicht den geringsten Widerstand entgegengesetzt. Ihr vermöchtet ihm nicht die leiseste Erschwerung der Angelegenheiten nachzuweisen.“ Der jüngere Oberst krähte: „Wir wollen nicht das Reich gut regiert sehen wider den Willen des erwählten Kaisers. Der Bayer hat den Krieg gegen die Böhmen glücklich geführt, jetzt hat er den Hauptanteil an der Zerschmetterung der Freibeuter. Da seht!“

„Wohl, ihr Herren,“ trommelte Questenberg mit den Hacken, „es bleibt bestehen, daß der Kaiser grollt, sich nicht in die Dinge fügt, und daß er den Engländer Dighby beschenkt hat, der den Frieden zwischen Habsburg und dem Pfälzer vermitteln sollte. Das gefährdet das Reich.“

Lamormain: „Soll dies hier ein Gericht sein über des Römischen Kaisers Majestät?“

Strahlendorf, der Vizekanzler, schlug die Hände zusammen. Was seien das für bittere Worte. Die beiden Obersten lachten zuckten mit den Achseln, drehten den Rücken. Questenberg hielt fest: sie hätten hier Lamormain wie ein Zeichen des Himmels, er solle seinen Einfluß auf den Kaiser geltend machen. Um? Um auf ihn zu wirken. Und in welchem Sinne? Nicht ihn zu knebeln, sondern ihn zu führen, wie es die Dinge fordern.

Lamormain war ein Bauer, in dem Ardennendorf Dochan bei dem zerstörten La Moire Mannie aufgewachsen, sein rechter Fuß hinkte, weil er sich mit der Sense beim Mähen in die Knochen geschlagen hatte; als kleiner jesuitischer Lehrer wäre er verkommen, wenn nicht sein Oheim Koch beim Kaiser Rudolf gewesen wäre, ihm einen freien Stiftsplatz in Prag verschafft hätte. Bestimmt legte er hin: „Ich bin der Herren getreuer Diener. Es darf nichts gegen den Kaiser geschehen, nichts gegen ihn geplant werden, nichts an meine Ohren gelangen. Statt ihn zu fesseln, ist meine Aufgabe, ihn in Schutz zu nehmen und ihn als sein Gewissensrat in unverzügliche Kenntnis von jedwedem Anschlag zu setzen.“

Die Herren, nach einem klanglosen Auflachen des kleinen Obersten, baten um Dispens für Minuten, während derer sie das Gemach verließen.