„An welchem denn? Im Konvent? Im Profeßhaus? Auf der Kanzel? Im Beichtstuhl? Liebwerter Herr Oberst, nein.“

„Geglaubt. An einem andern Ort. Von dem er herkommt. Vor einem andern Gesicht.“

Lamormain türmte sich ernst hoch: „Vor welchem mag der Herr wohl meinen?“

„Ganz recht! Denkt weiter! Eben vor dem.“

„Vor —.“

„Eben vor dem. Nun!“

„Ihr meint vor dem Gesicht unseres Allergnädigsten Herrn.“

„Nun, Herr Pater, wann habt Ihr ihm zuletzt das Lied von dem Winterkönig gesungen, wie sein Magen nicht mehr dauen kann und Länder von sich gibt. Wir allesamt kennen das Gesicht des Kaisers, das er damals geschnitten hat.“

Sie schwiegen im Augenblick. Dies war ein Signal. Finster blickte der massive Priester auf die Fliesen: „Ihr redet eine schlimme Sprache, Oberst.“

„Sprecht einmal,“ grunzte und knurrte in die Stille, die Arme wie zwei Balken über den Schemel wiegend, der verbissene unbeirrbare Questenberg, „wohin hat es geführt, daß wir über die aufständischen Böhmen gesiegt haben. Und wohin hat es geführt, daß Mansfeld geschlagen ist, der Durlacher dazu. Jetzt hat der Pfalzgraf den Schwanz eingekniffen und ist davon, unter die Fittiche seiner Verwandten, er wagt nicht, den Schnabel zum Nest herauszustecken. Und in Wien, in der Hofburg — gibt’s Trauer! Das reimt Euch zusammen! Wir wagen nicht zu sprechen von Sieg.“ Den Schnauzbärtigen sah lange still der Pater an: „Ihr wußtet früher etwas anderes. Es war mir eine leise, gewiß freudige Überraschung, Euch bei unserem werten Freund Strahlendorf zu finden. Im Geheimen Rat soll einer geklagt haben über den Krieg; er schätzte den habsburgischen Gewinn aus dem Feldzug sehr gering ein. Viel höher, Eurer Liebden, soll er den Gewinn eines gewissen verwandten erlauchten Hauses bemessen haben.“