Lamormain horchte auf das ängstliche Geflüster vor dem Saal; seine innere Ruhe wuchs; er fand sich heiter. Und mitten während einiger Sätze, die er sprach, durchzuckte es ihn: diese Herren glaubten, es ginge hier für ihn auf Tod und Leben, und stellten ihm nichts entgegen als Soldaten, Pferde. Hundert gewappnete Reiter suchen mit ihren Lanzen den schwebenden Geist der Heiligen Kirche zu durchbohren! Wehen ihn mit jeder Bewegung höher!

Er saß ganz still, war traurig wegen der geängstigten Freunde draußen. Mit welchen faden Gesellen saß er in seiner Bibliothek zusammen. Es mußte leicht sein, mit ihnen zu herrschen. Er neckte sie, ohne daß sie es merkten: er hätte keine Kompetenz, müsse erst seinen Vorgesetzten, den General des Ordens in Rom, befragen. Sie wurden wütend, häuften leicht widerlegbare Gegeneinwände. Dann berieten sie, im Ernst. Schließlich hatten sie bei sich eine Papierrolle, die sie ihm zum Lesen, Unterschreiben hinschoben; von innerlichem Gelächter war er erschüttert: „Auch das noch.“ Sie waren Kinder zum Erbarmen.

Als er allein stand, prustete er hinter den abrasselnden Wagen: „Wir werden zusammen regieren.“ Getümmel von Pferden; der Lärm verhallte.

Auf dem Gange küßten ihm die Scholaren, die entsetzten älteren Brüder die Hände; das Haus von Wehrufen und Protesten erfüllt. Lamormain hinkte durch das Gewimmel. Vor den frommen Bildern an der Fensterwand erinnerte er sich seines leidenschaftlichen Entschlusses beim Kommen, nicht nachzugeben, der Heiligen gedenk zu sein. Er machte sich scherzend den Vorwurf, zum Märtyrer kein Zeug zu haben.

Er hatte das Dokument nur flüchtig gelesen. Darin stand, sie wären genötigt, den Kaiser gefangenzunehmen, um eine Störung der Politik durch ihn zu verhindern. Man sehe vorläufig davon ab, wenn der Beichtvater es übernehme, den Kaiser zum Nachgeben zu zwingen. Es wird garantiert: die geheiligte Person des Kaisers bleibt unangetastet. Der Kaiser solle sich — wie sie es nannten — der politischen Notwendigkeit fügen.

Am dritten Tage trat Eggenberg in die kaiserliche Antikamera, lud den Kaiser zu einer Sitzung von Hofrat und Geheimen Rat. Ferdinand sagte zu, erschien nicht. Tags darauf berichtete Eggenberg neben Gleichgültigem, es seien im Rat lebhafte Stimmen laut geworden, man müsse dem allgemeinen Verlangen Rechnung tragen, das bei den frommen Reichsständen bestünde, und der Freude über den siegreichen Fortschritt des rechten Glaubens, die zerschmetternden Niederlagen der Reichsfeinde, öffentlichen geziemenden Ausdruck geben. Auf die Frage Ferdinands, wer diesen Wunsch im Rat vorgetragen hätte, antwortete Eggenberg, es ließe sich bei der freudigen Erregtheit, die nur durch die Abwesenheit des allergnädigsten Herrn getrübt war, nicht sicher sagen, wer zuerst gesprochen hätte; das dringende Verlangen sei allgemein gewesen, mit dem Kaiser in einer Feier sich zu vereinigen. Ferdinand ging herum, riß an seiner goldenen Halskette, lachte heiser; er wollte wissen, wer damit angefangen hätte. Und dieser klägliche gequälte Blick aus den schwarz umrahmten Augen jammerte den grauen Hofmann, erschreckte ihn so, daß seine Stimme zerriß. Er hielt dafür, man müsse rasch aller Welt, auch der feindlichen, zeigen, welcher Siege man sich bewußt sei; der Pfälzer und sein freibeuterischer Anhang sei in alle Winde geblasen; möge man den fremdländischen Beschützern der Friedensbrecher zeigen, daß man halte, was man habe, daß man den Mut zu Erfolgen habe, daß man auch wagen werde, weiter zu siegen, wenn einer darauf dringen sollte.

Mit einem gezwungenen Lächeln fragte Ferdinand vorbeispazierend: „Sind Eure Kassen gefüllt?“

„Zur Siegesfeier?“

„Nein, zu neuen Kriegen.“

Zur Zeit stünde alles gut, man könne nicht zu weit denken, es sei jedenfalls gut, so zu scheinen, als herrsche Überfluß; auch darum sei die Feier nötig, um als Drohung zu wirken; es müßten von mehreren dem Kaiser nahestehenden Seiten, jedoch nicht von kaiserlichen Beamten, heftige Reden an der Tafel und öffentlich geführt werden; auf die Fremden sei mit vielem Pomp zu wirken.