Der Abt lachte heftig, fing wieder an, aus einem Blumenkorb, der auf einer riesigen Truhe stand, Rose nach Rose zu entblättern, an den Blättern zu saugen, sie zu zerkauen und auszuspucken: „Nein, keineswegs, durchaus nicht. Wir wollen niemandem Gewalt antun. Es bleibt Recht. Nur: es geht uns nichts an. Sagt selbst Trautmannsdorf, wen geht denn jedes Recht in der Welt an. Und wenn ich denke, wieviel Unrecht in der Welt geschieht. Die Unsumme Böses: ja, es ist so viel Böses von Haus aus in der Welt, daß der Heiland erscheinen mußte, um alles auf sich zu nehmen. Es ist die größte Tat, wir wissen es, die in der Welt geschehen ist. Was soll da ein kaiserliches Hofgericht, und selbst wenn es auf der Doktoren- und Adligenbank Männer hat wie Euch? Von mir zu schweigen.“
Der Abt saß auf seiner Truhe, hielt den Korb auf dem Schoß und schaukelte sich wie ein kleines Mädchen. Trautmannsdorf beobachtete ihn von unten, blies sich über den Handrücken: „Im Grunde ist es das Richtigste, man schickt die Leute, die Recht suchen, die glauben, daß ihnen ihr Recht nicht geschieht, beten.“
„Freilich.“
„Dazu ist der Heiland erschienen.“
Sie lachten eine Weile zusammen, während der Abt kauend mit dem Finger zu seinem Gast herüberdrohte, der aber nicht aufsah.
„Und was bleibt für das Hofgericht, Ehrwürden?“
„Zählt es Euch selbst ab.“
„Demnach nur die, die nicht —“
„Freilich, freilich, die Bayern.“
„Ich meine die Gottlosen, Ehrwürden.“