„Was ist mit meinen Kindern? Sie sollen tun wie ich. Sie werden Geduld haben. Der Herr vergißt uns nicht. Sie werden nicht dicke Christen werden und sich mit Gesindel vermischen.“
Bassewi blickte lange vor sich hin: „Der Herr segne deine Geduld, Moses. Ich meine, wir werden nicht vergessen, an den Herrn zu denken, wenn wir im Licht sitzen mit unseren lieben Kindern und Enkeln und mit unseren Weibern und allen Verwandten. Wir werden fröhlich sein und doch an Gott denken.“
„Wer wird fröhlich sein, zwanzig Jahr, dreißig Jahr, und an Jerusalem denken. Bassewi, du bist ein kluger Mann, unser klügster und tüchtigster, bist auch unser Richter und Vorstand. Aber glaube mir: gehen sie hinaus in die Stadt oder aufs Land unter die Christen, so sitzen sie im Licht, aber sie werden kriechen vor dem Christ, um ebenso im Licht zu sitzen wie er, und sie werden sich schämen, beschnitten zu sein. Möchten lieber mit Wasser begossen sein und Judäa, ach, das werden sie verkaufen für ein kleines Dorf in Böhmen.“
Sie seufzten zusammen. „Was meint Ihr,“ sang Bassewi, „wenn wir wollen, können wir vom Kaiser einen Brief bekommen, daß wir Handel und Handwerk treiben auf dem Land, auf den Dörfern, an den Märkten.“
Laut weinte plötzlich der am äußersten auf der Bank sitzende alte Mann auf: „Wenn ich das noch sehen kann für meine Kinder! Bassewi, was sollen unsere Kinder Euch Liebes tun.“
Als die Judenschaft Prags eine riesige Summe Geldes dem Kaiser vorgestreckt hatte und ihr durch besonderen Gnadenerlaß gestattet wurde, sich in Böhmen anzusiedeln auf Märkten Städten Dörfern Flecken, wo sie wollte, um Handel und Gewerbe zu treiben, erzitterte der böhmische Volkskörper, eine weißglutende Stange bohrte sich in sein Fleisch. Dies war der größte Schimpf. Nun sollten sie die Bösewichter und Verbrecher unter sich dulden, deren Nährmutter das böse Schwein war, die mit dem Wucherspieß liefen, die das Kreuz schändeten, denen die Falschheit auf der Stirn stand. Ausgesogen das Land; nun sollten sie sich nicht einmal ruhig in ihrer Bettelarmut hintrollen dürfen. Der Giftmord sollte über den reinen Boden des Märtyrers Johannes Huß spreizbeinig spazieren, der Brunnentod. Die Sieger hatten dies getan. Wessen sollten sich unschuldige Säuglinge und Kinder versehen von dem übergegorenen Haß dieser Spinnen, dieser uranfänglichen Malefizer. O wie sie sich wanden.
Die Welle der Kaiserlichen und Ligisten wühlte sich in ihr Bett. Ersäuft unter ihrem Bauch das Wahlkönigreich Böhmen, die Pfalz; der Bund der Fürsten zerdrückt, sein Haupt, der glanzvolle Friedrich, über die französische Grenze geschleudert. Steinern die katholische Macht vom Main bis zur Adria. Truppen hatte der Kaiser in Böhmen, Mähren, Elsaß; Heere hielten am Rhein, Neckar, in der Oberpfalz.
Vierzehn Regimenter zu Fuß, sechs zu Pferd standen für die Liga, gefürchtete Regimenter: Herbersdorf, Graf zu Fürstenberg, das gräfliche Zollersche, Altringische, Pechmannsche, Schönberg, Lindlo, de Maestro, Erwide, Einnaten, Desfours, Kratz, Pappenheim; Infanterie Anholt, Herliberg, Schmit, Mortaigne, Truchseß, Heimbhausen.
Wie sich der übermächtige Sieger bedrohlich reckte, erstickend über sein Opfer fiel, ging der englische König Jakob mit sich zu Rat. Mit Dighby, dem verbrühten bösen Lord, fuhr der Prinz von Wales, Karl, heimlich nach Spanien. Prinz Karl sollte um Donna Maria, die Infantin werben; so wollte der spintisierende Graukopf vom spanischen Habsburg auf das österreichische Habsburg drücken, daß es den Pfalzgrafen wiederherstellte. Alles sollte ausgeglichen werden durch eine Heirat. Und dann spann er das schläfrige Märchen, gab es den beiden über das Meer mit: der älteste Sohn des Pfälzers solle am Kaiserhof erzogen werden, die Tochter des Kaisers solle ihn heiraten, dann solle er den Kurhut erhalten, spätestens nach dem Tode Maximilians und wieder im schönen Heidelberg am Neckar residieren. Dem König war katholisch wie lutherisch, jeder sollte etwas abgeben, es war alles so leicht.
Das Volk in England raste, als es von dem bald mißglückten Ehevorschlag des Königs Jakob hörte; mit Steinen wurde Dighby und der Prinz empfangen, als sie in Southampton landeten. Tief verblüfft sagte der König: „Ich habe meine helle Freude an dem Volk. Wie hat es das gemacht! Steine auf meinen Gesandten, auf meinen Sohn! Es hätte nicht viel gefehlt, so hätten sie mir den Kopf abgeschlagen. Es steckt doch viel in den Briten.“