Er knurrte vergrimmt: „Sie nehmen ein schlimmes Ende; dumm sind sie, sie sind dumm. Mit dem Protestantismus allein kommt man nicht durch die Welt.“ Er war schwer enttäuscht; hinter allen Widerwärtigkeiten steckte der ekle elegante Springer Buckingham; Prinz Karl sollte ihn scharf beobachten und bei Gelegenheit beseitigen lassen.
Stolz rollten die Reden im Parlament: „Der Katholizismus hat gewettet in zwei Jahren alles wiederzugewinnen, was er in hundert verloren hat. Rettet Böhmen! Rettet das Land des Huß!“ „Man schickt eine Britin, die Tochter des Königs, nach Deutschland und läßt es zu, daß sie ihres kalvinischen Glaubens wegen von Hof und Herd gejagt wird.“ „Die Götzendiener kommen in Rudeln; sie wollen von Spanien übers Meer. Man will sie noch locken. Schlagt die Ratten tot.“ „Der König verrät uns. Er kann seine Tochter schänden lassen, er darf einer Britin nicht den Rechtsschutz verweigern.“ „Das neue Indien! Die spanischen Bekehrungen! Inquisition! Rettet Böhmen!“ „Die deutschen Protestanten sind feige. Wir müssen ihnen zu Hilfe kommen.“ „Der König verrät uns. Die Stuarts sind Papisten. Buckingham verrät uns.“
Es war in den letzten Wochen König Jakobs, wo der Prinz Karl stundenlang an seinem Bett saß, aufmerksam zuhörend; die einzige Stimme, die ihm riet, die bald auch nicht mehr sprechen würde. König Jakob sagte: „Mit Brechen geht’s nicht gegen Habsburg, mit Biegen geht’s. Laß dir sagen: wir können vorerst nichts weiter als klug sein.“
Der Tod drückte gewaltsam seinen Kopf in das Kissen. Zuerst schickte König Karl Freiwerber nach Frankreich, dem wildesten Feind des habsburgischen Spaniens, um Henriette Marie zu holen. Auf Schloß Hamptoncourt hielten sie Hochzeit. Bald waren die Schiffe gerüstet, die Spaniens Seemacht brechen sollten. Lachend legte Buckingham der junge König, hochgezogene starke Augenbrauen, schultertiefes lockiges braunes Haar, kurzer Spitzbart, grauer Hut mit weißer Feder, die Hand auf den Mund, als er sprechen wollte: „Wir denken nach, dann sprechen wir, dann sprecht Ihr.“ Buckingham, der schön parfümierte Mann, mit Schleifen behangen, die Brust mit Liebesbriefen gepolstert, der blasierte Volksverächter, erblich tief, dann begriff er, äußerte: „Die Protestanten müssen zusammenhalten. Böhmen muß gerettet werden.“ Karls Blick flammte; er möge sich nicht gehen lassen; Spanien sei zu bekämpfen, wüßte er das nicht? Müßte man nicht auch gegen Spanien kämpfen, wenn es protestantisch wäre? „Wir müssen es, und wenn es unser Leben kostet.“ Vorsichtig fühlte Buckingham vor: „Das Volk will Krieg wegen Böhmen. Das Parlament nennt uns Papisten, weil wir Deutschland im Stich lassen.“ Die Antwort kam, wie er gewünscht hatte; dem Volk stopft man das Maul, das Parlament findet Platz im Kerker.
Die Schiffe stachen in See gegen Spanien. Das Parlament bewilligte die Mittel.
Als aber die Notschreie aus Böhmen, aus der Oberpfalz kamen, wurden unter dem Drängen des Volkes Subsidien für den Festlandskrieg bestimmt. An den rastlosen unbändigen Teufel, den Bastard von Mansfeld gingen sie; er zappelte in Holland, warb Truppen. Er sollte Böhmen retten.
Im Westen lagerte Frankreich. Sein König Louis der „Allerchristlichste“, sein Land altgläubig. Sie kauten an ihren Neugläubigen, die Hugenotten hießen, rebellisch und stark in Larochelle Stimes Sedan saßen. Ein Mann kam auf, Richelieu, Kardinal. Er wurde in den Conseil berufen; den, der ihn hineinberufen hatte, schickte er in die Bastille. Den Vernichtungskampf gegen die rebellischen Hugenotten leitete er ein; inzwischen gab er dem neugläubigen England Gelder, um Spanien zu schwächen. Er gab dem Krüppel Mansfeld Geld gegen den Kaiser. Die Schreie der Böhmen, der Vertriebenen, der ängstlichen protestantischen Stände vernahm er mit Vergnügen. Es gab nichts, woraus er nicht Gewinn ziehen konnte; fast hätte Richelieu dem Kaiser Geld angeboten, um den Stachel noch tiefer zum Bohren zu bringen. Er hatte wandernde Gesandten, die die Finger in die Wunden Deutschlands und sie zum Eitern bringen mußten.
Und wie sich der übermächtige katholische Sieger bedrohlich reckte, erstickend über seine Opfer herfiel, fuhr der Schrecken in die neugläubigen Länder zwischen Weser und Elbe vor ihrem nahenden Schicksal. Magdeburg und Halberstadt waren leckere Braten, zwei Erzstifte, dreizehn Bistümer und Abteien; der niedersächsische Kreis war auf seiner Hut. Und als sie sich einen Kreisobersten wählen mußten, fiel ihr Auge auf den, dessen Heeresmacht manche ihrer Städte genugsam verspürt hatten. Der starke Däne sagte nicht nein; die deutschen Händel behagten ihm. In seinem Reichsrat saßen Christian Frießen zu Borreburg als Kanzler, der verwegene Magnus Uhlfeld zu Sielsva als Reichsadmiral, Jakob Uhlfeld zu Uhlfeldsholm, Breida, Rankamen, Stephan Brahn zu Kundstrap; sie gewährten ihm vier Tonnen Gold zu Rüstungen; schrieben nach England und Holland, an Mansfeld.
Ihre Werbungen begannen entschlossen auf deutschem Boden. Der lange Halberstädter, Anbeter der pfälzischen Elisabeth, rieb seine eingeschlafenen Beine, trabte hinter seinem Freund Mansfeld her.
Maximilian warnte den Kaiser. Er riß und zottelte mit den Zähnen an seiner Beute. Die Oberpfalz knirschte unter seinen Reformatoren, den Glaubenskommissionen. Seine Kundschafter schwärmten bis nach Ostfriesland. Wien blieb beim Lachen; das Lachen des Kaisers hatte etwas Böses. Nur einige Räte zitterten bei dem Gedanken an Krieg. Wie zahllose Ämter lagen in den Bezirken ob der Ems, unter der Ems, in der Grafschaft Tirol, im vorderösterreichischen Breisgau, im Herzogtum Kärnten, Krain, in Schlesien, Böhmen, Mähren: Salzamt in Wien, Dreißig in Preßburg, Mauth in Linz, Schlüsselamt in Krems, Rentamt in Steyer, Vizedomamt in Linz, Handgrafenamt in Wien. Von allen waren Vorschüsse erhoben, von den niederösterreichischen Ständen Darlehen, von den böhmischen Magnaten, von den Juden, Niederlassungsgelder von den Kaufleuten. Hohe Subsidien vom Papst.