Max ihn aus seinen kalten, traurigen Augen lange betrachtend: „Wenn meinen Untertanen meine Regierung nicht gefällt und sie zu meiner Beseitigung die Türken oder Schweden ins Land rufen, tun sie dann Recht?“

„Nur insofern tun sie Unrecht, als sie sich wahrscheinlich mit dem türkischen Einfall selber ins Fleisch schneiden; im übrigen —“

Der Kurfürst unverwandt den Jesuiten betrachtend: „Ich darf die Türken ins Land rufen oder ins Reich, wenn ich das Reich damit aufrichte?“ „Das ist nicht fraglich.“ Lächelnd schloß Kontzen aufstehend, es seien doch wohl nicht die Türken.

Wie ein Jäger seinem Hund pfeift, so hatte der sanfte Kardinal Richelieu seinem Volke das Signal gegeben, es hieß Habsburg. Deutsches und spanisches Blut lockte, duftete herüber; sich einwälzen, sich überkugeln, die Uneinigkeit vergessen!

„Wir müssen uns in Metz befestigen,“ sang er ihnen vor, „wir müssen nach Straßburg vordringen, um ein Eingangstor nach Deutschland zu erlangen. Geduld, Geduld! Ich will Euch nicht aufspießen lassen. Gebt mir noch Zeit, seid zart; ich werde mit süßer, offener Miene voranschreiten.“

Die Zähne seines Rades griffen in die Vertiefungen von Wallensteins Rad. Zu den Hanseaten, zum Dänen, Schweden, zu den Generalstaaten waren die verführenden Reden und Goldstücke gerollt, klirrten lauter in das Reich von Westen und Süden her ein.

Die Gesandten erhielten die Instruktion vom Kardinal: „Die Kraft Habsburgs ist der Herzog von Friedland; die Gegenkraft die Kurfürsten. Sie streiten sich um das Heilige Reich. Wir müssen sie streiten lassen, bis sie uns das Reich öffnen. Jetzt ist Habsburg stärker; reizt, stärkt die Kurfürsten.“

Wie eine sanfte Eingebung glitten die breiträdrigen Reisewagen mit dem großäugigen vornehmen Herren Marcheville, dem entschlossenen Soldaten Charnacé, Säbel über die Knie, über die hüglige Reichsgrenze, über den Rhein, in das Heilige Reich. Kaum beachtet in dem Lärmen der Durchzüge, schweigend, höflich wandten sie sich nach Süden und Osten, näherte sich Marcheville der Stadt Mainz, die Anselm Kasimir beherrschte, dem Gebiet Philipp Christophs von Trier, Köln unter dem Kurfürsten Ferdinand, in Dresden trat er vor Johann Georg.

Marquis von Charnacé war unterwegs von Fontainebleau, als Maximilian den Wunsch äußerte, einen Geheimvertreter des Königs Louis zu sprechen. Man hatte in Fontainebleau nichts versäumt; Charnacé trug Instruktionen mit sich.

Der Bayer saß unter einem Baldachin in der Ritterstube der Neuen Feste, saß vor einer langen ungedeckten Holztafel, an der der hochgelehrte Herr Bartholomäus Richel neben Kontzen schrieb und in Faszikeln blätterte, als Charnacé, ein unansehnlicher häßlicher Mensch mit rotem Gesicht und schielenden Augen von dem hohen Fürsten zu Hohenzollern hereingeführt wurde. Die Unterhaltung, bei der Charnacé es immer wieder ablehnte, sich vor der Kurfürstlichen Durchlaucht zu setzen, wurde fast allein zwischen dem Kurbayern und dem Marquis geführt; später holten die Räte Dokumente zu Hilfe, ein Sekretär des Franzosen im Vorraum durfte eintreten, das Akkreditiv des Gesandten diesem zur Vorlage überreichen, ferner eine große Blankourkunde mit der Unterschrift des katholischen Königs. Charnacé wurde vom Kurfürsten nach seinem kurzen Arm befragt; er erzählte in bescheidenem Ton von seinen Gefechten in Polen, dann: er käme auch von Larochelle. Näheres von dem Fall dieser Stadt, worauf Maximilian drängte, wollte er nicht hergeben; er erklärte streng, die hugenottische Angelegenheit sei ein Bruderzwist in Frankreich gewesen, sie sei erledigt. Es würde insbesondere der neu erstarkten gallischen Nation eine Freude und Genugtuung sein, Gelegenheit zu erhalten, ihre Macht und Einheit nun nach außen zu zeigen unter Führung des glorreichen dreizehnten Ludwig. Er sprach die Freude seines Souveräns aus, daß die Verhandlungen mit Bayern, die auf eine Beendigung des deutschen blutigen schreckvollen Krieges zielten, nun in rascheren Fluß kommen sollten.