„Warum wollt Ihr mich hören?“
„Seht, Pater Lamormain, ich will mir nicht Unrecht tun. Ich brauche Euch nicht, weil ich unsicher bin oder weil ich mich fürchte. Aber ich — habe Euch hier, Eure Stimme ist mir wie eines Vaters. Wollt Euch nicht zurückhalten, versagt Euch mir nicht. Es ist mir eine Wohltat, Eure Seele diese Dinge berühren zu sehen.“
„Ich weiß, daß es mein Amt ist, Eure Seele zu führen. Wenn ich lange schwieg, — so geschah es, um Euch nicht zu betrüben.“
Der Kaiser bat, er möchte weiter sprechen. Der Pater, sich zusammenkrampfend, nahm einen Anlauf. Er öffnete den Mund und ließ es schnurren. Wie die Worte klangen. Er hörte sich wie ein Fremder zu. Er schämte sich und blickte nicht auf. Was war ihm aufgelegt. Es sei nicht viel zu sprechen. Diese grauenvolle Verwüstung in Deutschland, diese Schrecken, die sich über die Alpen wälzen, Zwist im Reich, der Kaiser einsam: man müsse betrübt sein, wenn man an christlichen Frieden denke.
„So ratet, Pater. Ich habe nicht gelacht über diese Zeit.“
„Frieden. Frieden. Der Heiland, als er noch auf Erden wandelte, hat gesagt: gebet Gott, was Gottes ist. Man redet zu viel: gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Davon sind die Gassen und Plätze voll. Wer den Lärm in der Welt hört, denkt wohl an das Wort: des reifen Getreides ist viel, der Arbeiter aber sind wenige, bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter auf sein Erntefeld schicke.“
Die Fältchen an Ferdinands Augenwinkel zitterten, er drückte die Handteller zusammen, in der Ecke der Bank sitzend: „Ratet, Pater.“
„Du wahnsinniger Mensch,“ schrie der Pater sich innerlich an, „du schlimmer Mensch. Du kannst dich nicht so schänden. Bruder Lamormain, der Heilige Vater denkt schlecht von uns.“
„Gebt mir Antwort, Majestät, wie Ihr selber hierüber denkt.“
Da wurde Ferdinand, nachdem er dem Pater einige Zeit in die blitzenden Räder gestarrt hatte, unruhig, stand auf: „Ich hab’ es Euch gesagt, man soll mich nicht für einen Gewaltherrn und römischen Cäsar verschrein.“