„Wenn Ihr kein Gewaltherr sein wollt, so ist es Euch bitter ergangen, daß alle Welt Euch verkennt und Euch für nichts als dies, für nichts als dies ansieht. Und wenn Ihr das weltliche Papsttum gründen wollt, so wird es wohl auch Euch bedünken, daß im Augenblick die Welt sehr anders blickt: aus Augen voll Grauen. Wie wollt Ihr dies vereinen: so mächtig dazustehen, daß man Euch wahrhaft Kaiser nennen muß, und so wenig das zu können, was Ihr wollt. Seht, nicht einmal so viel, wie die Herrscher vor Euch, die viel schwächer waren.“
Dies mußte Lamormain alles sagen und hinlegen.
„Pater, der Heiland hat dies gesagt, was Ihr nanntet. Er hat aber auch gesagt, was Ihr selbst uns gepredigt habt, daß er nicht nur gekommen sei, Frieden auf Erden zu bringen, sondern Vater, Sohn, Mutter, Tochter und Schwieger gegeneinander zu erregen.“
„Wohl, so spricht Lukas: Zwietracht. Um das himmlische Feuer auf die Erde zu werfen.“
Ferdinand legte sich halb auf der Bank zurück; er sagte nichts. Nach einer langen Pause Lamormain: „Eure Majestät schweigt.“
Tonlos: „Ihr seht, daß ich schweige.“
Wie sich Ferdinand wieder zwischen den Teppichen zurecht geschoben hatte, rieselte seine tonlose langsame Stimme: „Worauf sollen wir hinaus?“
„Es scheint, als ob Ihr etwas Irriges gemeint habt bis jetzt. Ihr glaubtet —“
„Ja, war ich kein Christ?“
Vor diesem weißen Blick, dieser langsamen erschütternden Stimme fand der Pater lange keine Antwort. Dann legte er viele Wärme und Herzlichkeit in seine Sprache und mußte sich sehr bezwingen, um sich nicht völlig bewältigen zu lassen: „Ihr wart die langen Jahre mein Beistand, Majestät; Ihr wart ein guter katholischer Christ. Als ich die kirchlichen Wünsche Eurer entschlafenen Gemahlin, der seligen Maria Anna, durchführte, bin ich Euch gefolgt in Eurer Gottesfurcht.“