„Seht Ihr, wie Ihr alles wißt. Und jetzt sagt Ihr selbst alles.“ „Mein Heiland, Ihr! Ihr! — Wie wird Euch der Heilige Vater loben, wie werden Euch die Fürsten loben.“
„Seht Ihr“, lächelte Ferdinand völlig ruhig und freudig stolz wie ein beschenktes kleines Mädchen. „Und warum durfte ich es nicht sagen?“
Um Mittag kam der Luxemburger, noch immer fassungslos und verstört sich zerknirschend, in das bischöfliche Musikzimmer. Dem Kaiser sagte er, er käme sich zu weiden an seinem Beschlusse.
„Leise, leise“, warnte der andere.
Ferdinand bog sich über den Fensterrahmen; es zirpte von unten herauf, Fasanen stürmten über den Sand. Ja, man könne froh sein; das sei nun eine Säule in ihm und die sei nicht umzustürzen. „Ich freue mich, Pater, daß Ihr mich hören wollt. Es ist geschehen in meiner grenzenlosen Liebe zu beiden, zum Herzog und zu den Fürsten. Jedem habe ich ein Liebes angetan. Jeden an seinen Platz geführt.“
Der Jesuit saß ratlos ungläubig vor den mysteriös gesprochenen Worten. „Ihr wolltet ein Unglück vermeiden“, fragte er gequält. Er hatte kaum ein Ohr für das, was er hörte. Er war in seiner Verwirrtheit hierher getrieben worden, um sich zu beruhigen. Was soll mit mir geschehen, fragte er sich. Er verzerrte sein Gesicht: „Ich freu mich ja mit Euch.“ Er suchte ein freundliches Wort vom Kaiser zu erbetteln, und daß Ferdinand ihn anblickte, ihn erkannte, ihm half.
Der Kaiser blieb still. Er hatte einen milden nachdenklichen Ausdruck, hielt den Kopf leicht auf die rechte Schulter geneigt: „Sie dachten mich mit Anwürfen zu reizen, die Kaiserin grollt mit mir, weint irgendwo. Der Herzog war auf dem Sprung, es fehlte nur mein Signal. Wozu dies alles. Kommt jedes zu seiner rechten Stunde.“ Und dann wandten sich seine sehr ruhigen, ganz hellen Augen dem sitzenden Pater zu; er lächelte ihn an: „Seid froh, daß Ihr nicht die Verantwortung habt. Ihr hättet Euch nicht regen können vor der Gewalt, die man Euch antäte.“ Er faßte den Pater bei den Händen, zog ihn hoch, legte, neben ihn tretend, seinen rechten Arm unter den linken Lamormains: „Aufgeregt seid Ihr, Lamormain! Ihr blickt noch ganz wirr. Laßt es fallen. Nur sinken lassen. Es geht schon. Kommt.“
Sie gingen zusammen in den Garten. Wie ein krankes Kind ließ sich Lamormain führen. Er fror, war demütig und fühlte, daß ihm verziehen werde.
Sie gingen zusammen zwischen den Beeten. Der Fürst blinzelte die Reseden und Hühner an. Er freute sich seiner Blindheit.
Als der Kaiser vier Tage hatte verstreichen lassen, während derer er mit sich und seinem Entschluß umging, ließ er noch einmal das Theater der Beschuldigungen, Bedingungen, des Grolls, der Wildheit an sich passieren. Es geschah, um sich noch einmal zu kontrollieren. Als er merkte, daß keine Feindseligkeit in ihm entstand, schien es ihm gut, seine Räte zu sich zu bescheiden. Obwohl die Einladungen in größtem Geheim erfolgten, verbreitete sich ein Wispern in der Stadt. Die Spannung im Quartier der Kurfürsten und Fremden war auf das höchste gestiegen; vor dem Hause des Grafen Tilly hielten zehn Berittene Tag und Nacht, gesattelt, mit Mundvorrat; er selbst verließ sein Haus nicht. Man hatte es verstanden, nahe der Stadt, am Donauufer, leichte Kanonen mit Artilleristen zu verstecken; es war vorauszusehen, daß, ehe die geringste feindliche Belästigung erfolgte, die Stadt in ligistische Hände fiel. Die Franzosen gingen hin und her, gaben ihre Ratschläge. Man schwirrte um den Pater Joseph, um die Jesuiten, den Kardinal Rocci. Der Beichtvater war unsichtbar.