Mütterchen Prag am Hradschin sah schweigend, nicht fragend den menschenumschwärmten Zug nahen.

Die Moldau floß unter der grauen Brücke. In seinem orientalisch reichen Palast stieg Friedland ab. Er wohnte abgeschlossen für sich. Nach Sachsen, Brandenburg flogen die leisen Botschaften. Als italienische Maler anfragten, wann sie die Bilder in den Sälen vollenden sollten, kam aus dem Palast der Bescheid, überall hin kolportiert: „Die Herren sollen warten, bis ich davon bin. Glauben die Herren, der Palast werde mein Sarg sein?“

Hinbrütende Demut vor dem verlorenen, wiedergekehrten Sohn, Hin- und Herschlüpfen der Juden, Berater. Wie Paukenschläge einige schwelgerische Feste, dann kühle Empfänge der Sippenverwandten, Worte, als hätte sich nichts ereignet, ein Brief von Eggenberg, einer vom Kaiser, Ärzte.

Wer war das, der in dem neuen Palast hauste?

In der Stille des Sonnabends wurde der Kardinal Rocci vor das bayrische Quartier getragen; der Kurfürst war von einer Jagd noch nicht zurück. In der Vorkammer schwatzte der kleine Kardinal mit jedem Ankömmling von dem großen neuen Sieg, den die heilige Kirche errungen hätte; der Priester vergab sich etwas, indem er Bediensteten und Kämmerern auf die Schultern klopfte; wenn er allein saß, lachte er laut: „Sie ziehen ab, der Wallenstein und der Spanier. Ist bald die ganze Lombardei leer und gesäubert.“

Als der kreischende Purpurträger Maximilian mit der Neuigkeit entgegenlief, war dem Bayern einen Augenblick, als zischte vor ihm ein Blitz nieder. Er saß mit Rocci nieder, fahlblaß von der Jagd und der Erregung, mit dicken Schweißtropfen um den gespitzten Mund; lächelte gedankenlos zustimmend zu dem Geschwätz des Italieners.

Als der ihn verließ, blieb er, die geöffneten Hände auf den Knien, mit gerunzelter Stirn, Bitterkeit in der Kehle, sitzen. Richel trat ein, freudig bewegt. Kalt tönte die weiche klare Stimme Maximilians: „Habt Ihr etwas anderes erwartet?“ „Ich freue mich, daß die Römische Majestät nachgegeben hat.“ „Er hat immer nachgegeben, Richel, wo man etwas von ihm wollte. Es war kein Entschluß von ihm. Mein Schwager kennt keine Entschlüsse. Er schickt den Friedländer weg, weil man ihn drängt und wird ihn wieder holen, wenn man ihn drängt.“ „Der Herzog hat ja nicht gewollt zu uns stehen.“ Der Kurfürst aufrecht, fest: „Der Vorfall ist lehrreich. Ich werde den Vorfall verstehen. Diesmal besser und erbarmungsloser als voriges Mal. Er hat die Situation verstanden. Wir werden sie ihn weiter fühlen lassen. Wir haben unser Äußerstes anwenden müssen, um dies herbeizuführen. Ich versteh’ jetzt weiter keinen Spaß mit ihm.“ Er schlenderte an Richel vorbei, setzte sich wieder, den Zeigefinger steif ausstreckend: „Die freundschaftliche Maskerei werde ich in Zukunft nicht dulden. Mir, uns allen ist der Kaiser diese Rechenschaft schuldig. Er hat geglaubt zu versuchen, die Tyrannei uns aufzulegen. Es ist jetzt nicht damit genug, wenn er erklärt, er stehe davon ab. Weil es ihm nämlich nicht geglückt ist. Ich verlange Sühne.“ Der Kurfürst sprach den Rat mit feurigen seltsamen Augen an: „Verträge brechen und dann ein Dank schön verlangen, wenn man bereit ist sie wieder zu halten.“

Maximilian ging mit raschen Schritten an die Tür, an der er rüttelte; er prüfte, ob die Fenster geschlossen waren; er schrie leise: „Wir nehmen dies nicht an. So füttert man hungriges Vieh. Wer sind wir. Ich bin deutscher Kurfürst, dem übel mitgespielt wurde von ihm.“

„Und was gedenkt Kurfürstliche Durchlaucht vom Kaiser zu verlangen?“

„Ich lege eins zum andern. Der Berg reicht bald an den Himmel.“ Vor der schmerzlichen Erregung seines Herrn sah Richel, seinen Degen schaukelnd, auf den Teppich; ruhig sagte er nach einer Weile, als sich der Kurfürst im Sessel reckte: „Vielleicht wird es nötig sein, nunmehr zu Präventivmaßregeln zu schreiten und sich vor Schwierigkeiten in Zukunft zu schützen.“