Die Darstellungen des Teufels und der Hölle kehren überall wieder: in Skulpturen, Erzwerken, Elfenbeinarbeiten, Miniaturen, Mosaiken und Fresken. Sie finden sich in vielen Abhandlungen beschrieben, denen ich gefolgt bin, ohne dass ich aus Mangel an Abbildungen im Stande gewesen wäre, die Richtigkeit derselben überall nachzuprüfen und zu verbürgen. Wo diese aber zur Verfügung standen, sind die Beschreibungen jedesmal neu gemacht worden. Dies gilt insbesondere für das Zeitalter Dante’s.
Da der Teufel und die Hölle selten allein, sondern meist nur in grösseren Kompositionen verschiedenen Inhalts dargestellt ist, so werden diese jedesmal als für sich bestehend besprochen, chronologisch und wenn es sein muss, auch topographisch geordnet werden. Aus diesen Beschreibungen werden dann am Schlusse die einer jeden Epoche gemeinsamen Züge zu einem Gesammtbilde vereinigt werden.
Nachdem wir also die Veranlassung und die Methode für die Untersuchung festgelegt haben, wenden wir uns nunmehr dieser selbst zu in der Hoffnung, dass diese Ikonographie dazu beitragen wird, das künstlerische Bild des Teufels und der Hölle während der einzelnen Jahrhunderte zu fixieren.
Der Teufel und die Hölle in der Litteratur.
Der Teufel und die Hölle in der Bibel.
Der Teufel und die Hölle gehören dem specifisch christlichen Vorstellungskreise an und beide haben mit der Entwicklung der christlichen Religion die ihrige durchgemacht und im Laufe der Jahrhunderte die verschiedensten Anschauungen über sich ergehen lassen. Indessen fehlt es ihnen trotz ihres rein christlichen Gepräges nicht an gleichsam vorbereitenden Elementen, und man kann mit Recht behaupten, dass der Glaube an böse Götter wie Ahriman und Loki, an Dämonen und Zauberer, an Riesen, Zwerge, Kobolde, an Missgestalten wie die Centauren, Satyrn und Silene, an Ungetüme wie der Fenriswolf und die Midgardsschlange in der Gestalt des Teufels und teuflischer Wesen und andrerseits der Glaube an einen Strafort nach dem Tode wie den Hades, die finstere Hel, die persische Duseh in den Vorstellungen von der Hölle seine Auferstehung feierte.
Der Teufel und die Hölle sind, wie die theologische Forschung dargethan, somit als Weiterbildung jener früheren Erscheinungen anzusehen. Als Beweis dafür kann man anführen, dass die spätere christliche Gestalt und der Charakter des Teufels Züge aus der heidnischen Mythologie entlehnt hat und das Bild der Hölle dem Colorit früherer Vorstellungen oft recht ähnlich erscheint.
In der Bibel, deren Auffassung über beide Begriffe ja die grundlegende geworden ist, zeigt sich bereits im alten Testamente ein Zusammenhang mit den heidnischen Anschauungen, und die Juden werden gewissermassen die Vermittler zwischen dem heidnischen und christlichen Glauben von dem Teufel und seinem Reiche.
Während in den älteren Stammsagen der Hebräer sich überhaupt keine Spuren eines Teufels finden, werden in den nachexilischen Büchern, ähnlich wie in den Mythologien der Perser, Assyrer und Babylonier Dämonen erwähnt, ein Beweis, dass die Juden diese Anschauungen erst von jenen Völkern empfangen haben. Der ältere Geschichtsschreiber schreibt z. Bspl. die Thatsache, dass David sein Volk zählen liess, dem Zorne Gottes zu,[6] der nachexilische dagegen dem Satan.[7] In den Apocryphen werden namentlich im Buche Baruch und Tobias Gespenster, Kobolde und Waldteufel erwähnt.[8] Sie verletzen und töten die Menschen[9] und können durch Gebete, Fasten und gewisse Räucherungen vertrieben werden. Sie wohnen an wüsten Orten als Götzen der Heiden[10] und scheinen keine bestimmte ethisch religiöse Bedeutung gehabt zu haben. Die Nachtfrau Lilith galt als Gespenst, welches den Kindern nach dem Leben trachtete, Schedin und Seirim werden als Wüstengeister genannt.[11]
Von diesen Dämonen sind die Diener der göttlichen Gerechtigkeit zu unterscheiden, so jener Lügengeist und Todesengel, der Israel mit Pest heimsuchte und Sanherib’s Heer erschlug,[12] dann Satan, d. h. der Widersacher, Ankläger, welcher den frommen Knecht Hiob peinigte.[13] Er ist menschlichem Glück missgünstig, ungläubig gegen die menschliche Frömmigkeit und Tugend.[14] Er gehört zu den Söhnen Gottes und darf nach eigenem Ermessen handeln, aber Gottes Wille steckt ihm Grenzen.[15]