Zwei Arten von Ausläufern hat die Zelle: Verästelte Protoplasmafortsätze aus dem Zellinnern, die Reize empfangen (Dendriten), und einen wenig verzweigten Ausläufer, der Reize fortsendet (Neurit). Dieser wird gleich zum Achsenzylinder einer Nervenfaser — die aus Hülle, Mark und Achsenzylinder besteht —, wenn die Zelle beim Übergang des Rindengraus zum Rindenweiß liegt.
[10] Ein Ganglion ist ein Nervenknoten, aus dem Nervenfasern zu den Sinneswerkzeugen oder Muskeln oder andern Ganglien gehen ([Abb. 9]). Aus lauter Ganglien setzt sich die Hirnrinde zusammen ([Abb. 10]).
[11] Um auf dem Umschlagsbild die Insel sichtbar zu machen, wurde der sie bedeckende Schläfenlappen entlang der Sylvischen Spalte nach unten gedrückt. Jedem Bewegungsherd in der vorderen Zentralwindung entspricht ein in der gleichen Höhe gelegener Empfindungsherd in der hinteren Zentralwindung; doch wurden diese letzten Zonen zur größeren Übersicht als „Zentren für die Körperempfindlichkeit“ zusammengefaßt. (Aus Pfeiffer, Das menschliche Gehirn.)
V. Regeln für jede Gedächtnisarbeit.
Aufmerksamkeit.
Wir würdigten schon die hervorragende Bedeutung der Aufmerksamkeit bei den Bewußtseinsvorgängen. Sie ist eine grundlegende Bedingung alles Denkens und bewußter Verknüpfung. Wir ahnen schon ihre Bedeutung für das Gedächtnis und wollen deshalb den Vorgang der Aufmerksamkeit noch besonders beobachten. Bei Schnell-Leseversuchen in Bruchteilen einer Sekunde zeigten sich persönliche Unterschiede in den Leistungen. So wurde nach mehrmaligem kurzen Zeigen (am Schnellseher, [s. Fußnote S. 12]) gelesen: Vom
| I. stetigen | II. unsteten | III. mischenden Typus |
| statt: bedauernsw. | Weihnachtsausstellungen | Papierschneidemaschine |
| 1. b . . . . . . . . | 1. Buchausstrebungen | 1. Polizei . . . . . . . . . |
| 2. . . . er . . . . . | 2. Weihnachtsabgaben | 2. . . . . maschine |
| 3. bedauer . . . . | 3. Weihnachtsbaum | 3. Papierschneidemaschine |
| 4. . . . . . werter | 4. Weihnachtsausstellungen | |
| 5. be . au . . . r | ||
| 6. be . au . . . r | ||
| 7. bedauernsw. . | ||
| 8. bedauernswerter |
Der erste Leser setzt sich langsam, aber sicher und ohne Fehler, das Wort zusammen. Er verschließt sich der umbildenden Angleichung ([S. 18–20]) und macht auf sachliche Treue Anspruch. Der zweite glaubt gleich alles gesehen zu haben, er springt förmlich mit den Augen über das Wort hin, hat aber kaum einen Buchstaben richtig gesehen. Die äußeren Reize veranlassen ein reges Auftauchen von Erinnerungen. Kennzeichnend für ihn sind Einbildungszutaten, bis er mit der vierten Lesung das Wort richtig erfaßt hat. Der dritte mischt beide Arten. Bei der ersten Lesung ist sein Blick über das Wort hingehuscht, ein Einfall hat das richtig gesehene P unrichtig zu Polizei ergänzt. Bei der zweiten Lesung hat er durch genaues Sehen den hinteren Teil des Wortes richtig erfaßt und bei der dritten das ganze Wort.
Infolge der ganz kurzen Lesezeit enthüllen sich uns hier die drei Grundformen der Aufmerksamkeit:
1. die festhaltende (fixierende), stetige,