2. die hin und her schwankende (fluktuierende), unstete,

3. die mischende Art.

Diese drei Grundformen des Aufmerkens führen uns zu scharf unterscheidbaren Arten des Arbeitens überhaupt:

1. Der Stetige vermag sich nur langsam einer Aufgabe anzupassen. Es vergeht erst einige Zeit, ehe er seine volle Anpassung an den zu lernenden Stoff erreicht. Aber allmählich sammelt sich sein Geist immer mehr, beharrt nun zäh und treu bei der Arbeit und läßt sich nicht ablenken. Das Gedächtnis dieser Grundform des Aufmerkens nimmt langsam auf, aber behält sehr treu. Der Geist beharrt in der einmal eingeschlagenen Richtung wie ein Fernrohr, das, auf eine bestimmte Entfernung eingestellt, die nähere oder fernere Umgebung unscharf oder gar nicht abbildet. Der Forscher bezeichnet diese Erscheinung als „Einstellung“. Kommt dazu noch eine überragende Begabung, dann ist der Gelehrte fertig.

2. Das Gegenteil in allen Punkten ist die unstete, die hin und her schwankende Aufmerksamkeitsform. Überraschend schnell paßt sich ihr Vertreter einer umfangreichen Aufgabe an. Seine Aufmerksamkeit ist schnell auf den zu lernenden Stoff gerichtet, hat sehr bald den persönlichen Höhepunkt der Zuspitzung und Verdichtung erreicht. Aber die innere Sammlung ist nicht so tiefgehend wie bei der ersten Art, darum läßt sich seine Aufmerksamkeit leicht ablenken und einem neuen Gebiet zuwenden. Irrtümer sind bei ihm an der Tagesordnung. Seine Einstellung ist nicht so bestimmt gerichtet wie bei der ersten Form, er gleicht einem Fernrohr mit fortwährendem Linsenwechsel. Seine Leistungen sind nicht tiefgründig. Sein Gedächtnis nimmt überraschend schnell auf, verliert aber auch rasch wieder das Gelernte, was ohne Zweifel Nachteile sind.

Jedoch befähigt gerade diese Form des Aufmerkens zu ganz bestimmten Berufen, ist sogar die grundlegende Eigenschaft mancher Begabung. Die umfangreiche, sich schnell hingebende, aber auch schnell wieder neuen Gebieten zuwendende Aufmerksamkeit zeichnet den geborenen Zeitungsmann, Künstler, Staatsmann und jeden Geschäftsmenschen aus, begünstigt das Aus-den-Ärmeln-Schütteln und die Schlagfertigkeit der Rede.

3. Die dritte Art ist meiner Meinung nach die vollkommenste. Wer ihr angehört, vermag seine Aufmerksamkeit zu verteilen, vielen Dingen gleichzeitig, allerdings mehr oberflächlich zuzuwenden, aber sie auch kräftig und tiefgehend auf die einzelnen Reize zu richten. Diese Aufmerksamkeit ist ein Vorzug des geborenen Offiziers. Einen Nützlichkeitserfolg dieser Form sehen wir an obigen Leseversuchen. Das Wort wird schon beim dritten Versuch getroffen.

Deshalb habe ich die beiden ersten Grundformen der Aufmerksamkeit ausführlicher dargestellt, damit der Leser prüfen kann, welcher Form er angehört. Die Art seines Aufmerkens erklärt sicherlich etwaige ungünstige Gedächtniserfolge.

Dann gilt es bei der ersten Art, fleißig zu üben, um die Langsamkeit zu überwinden und eine schnellere Anpassung der Aufmerksamkeit zu erreichen. Nach den Feststellungen Meumanns vermag zähe, jahrelang fortgesetzte Übung beinahe alle angeborenen Unterschiede im Gedächtnisbereiche auszugleichen. Er weist das an einem langsam Lernenden nach, der das erstemal zu 12 Silben 56 Wiederholungen brauchte. Nach mehrmonatiger Übung waren nur noch 19 nötig.

Die zweite Form des Aufmerkens muß sich bemühen, gründlicher zu sein, Einbildungszutaten unter allen Umständen zu unterdrücken. Dadurch wird ja die Treue des Gedächtnisses außerordentlich beeinflußt. Für solche Personen ist das genaue Zeichnen eine gute Schulung des Geistes, und es gilt für sie besonders das, was über die Ausbildung der Sinne gesagt ist (vgl. [S. 50–57]).