Die Erklärung dieser auffallenden Ergebnisse dürfte darin zu suchen sein, daß sich der Rhythmus unserer Aufmerksamkeit selbsttätig, d. h. unwillkürlich, regelt, so daß die Anspannungen mit den betonten Silben, das Nachlassen der Aufmerksamkeit mit den unbetonten zusammenfällt, die schwach und kurz betonten Eindrücke sich an die kräftiger betonten anschließen und so zusammen eine Einheit bilden. Durch den Wechsel der Tonstärke werden eng zusammenhaltende Gruppen gebildet. Die Aufmerksamkeit selbst wird beherrscht und ihre Verteilung geregelt; denn nicht allein die Aufmerksamkeitskraft, sondern auch ihre sparsame und zweckmäßige Verwendung ist bedeutungsvoll.
In welchem Takte zu lernen ist? Je nach den Verhältnissen! Schnelles rhythmisches Lernen gliedert günstiger als langsames Lernen. Bei sinnarmen Stoffen oder Tätigkeiten (Berufstätigkeiten) wird man also ein schnelles Zeitmaß wählen, da durch schnelles Lesen und Arbeiten die Aufmerksamkeit aufs höchste gespannt wird. Dann aber vermindert sich die Aufmerksamkeit, und schließlich wird die Arbeit von selbst abschnurrend. Aber gerade das selbstwirksame Arbeiten ist ja vielfach das Ziel der Übung, besonders im Berufe, weil durch Selbstbetrieb die meiste geistige Kraft erspart wird.
Allein es ist wohl zu beachten, daß dieses maschinenmäßige Verfahren sich nur für Sinnloses eignet. Für Stoffe, die der Verstand erarbeitet und wo jedes einzelne Glied aufgefaßt werden soll, sollte langsam und mit Verstand gelernt werden. Es ist also die Unterscheidung, ob sinnlos oder sinnvoll, wichtig für den einzuschlagenden Weg zur Einprägung.
Mehr darüber in der „Praktischen Gedächtnispflege“ S. 23–29.
Gruppenbilden, Stelle-Anweisen (Lokalisieren), Gliedern.
Auch beim beobachtenden Merken einer Reihe von Gegenständen ist ohne Zweifel das Gruppenbilden vorteilhaft. Es ist ein Gliedern beim Gesichtssinn. Ein Kaufmann hat Kisten zu zählen. Es bedeutet für ihn eine große Zeit- und Kraftersparnis, wenn er stets drei oder vier Kisten zusammenfaßt.
Abb. 15. Beförderung eines Stierkolosses beim Palastbau des assyrischen Königs Sanherib (705–681 v. Chr.). Relief aus Kujundschik, den Ruinen des alten Ninive. (Nach Layard, aus Bücher, Arbeit und Rhythmus.) — Der Leiter der Arbeit steht am Vorderende der zu befördernden Last und gibt mit Handklatschen den Seilziehern das Zeichen zum gleichzeitigen Anziehen. (Vgl. [S. 39].)
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GRÖSSERES BILD
Dieses Einheitenbilden, das Umfassen mehrerer Personen oder Gegenstände mit einem Blick, sollte oft geübt werden. Gelegenheit dazu bieten spielende Kinder, auf der Straße sich bewegende Personen, vorüberfahrende Eisenbahnzüge, Gartenzäune, Häuserfronten mit ihren zahlreichen Fenstern usw.