Gesundheitlicher Teil.
Eine Gesundheitslehre des Gedächtnisses läßt sich nicht von der Gesundheitslehre des Geistes lösen, die wiederum innig mit der Körperpflege verknüpft ist; denn nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde Seele wohnen. Mannigfache Gefahren bedrohen die Gesundheit des Körpers und Geistes.
Selbstgifte.
Jede Arbeit erzeugt Stoffwechselreste, z. B. Kohlensäure, Harnsäure und ganz eigenartige Ermüdungsgifte. Dauert die Arbeit sehr lange, ist sie sehr anstrengend und werden mehr Gifte erzeugt, als der Körper durch Lungen und Nieren ausscheiden kann, so reichern sie sich in ihm an und wirken lähmend. Dann hat der Körper das Bedürfnis nach Ausscheidung dieser belastenden Gifte. Er zeigt Ermüdung und das Verlangen nach Ruhe. Die soll man ihm dann auch gönnen.
Arbeit im Zustande der Übermüdung ist entschieden schädlich und sollte nur in ganz dringenden Fällen ausgeübt werden. Lernarbeit ist in diesem Zustande beinahe wertlos.
Wie begegnen wir nun am besten der Ermüdung? Geben wir zunächst zwei Ärzten das Wort! „Hufelands Rat, durch Willkür die tägliche Aussonderung zu regeln, ist bekannt und begründet, und ich füge bei diesem Anlaß den hinzu, während des Lesens und Schreibens, wo man unbewußt den Atem anhält, manchmal absichtlich tief einzuatmen, selbst vom Tische aufzustehen und ein paarmal durchs Zimmer zu gehen, — sowie, zumal bei feinerer oder abendlicher Arbeit, manchmal für einige Minuten die Augen zu schließen. Der Laie befolge diesen Rat! Der Arzt begreift ihn.“[19]
Abb. 16. Atmung und Puls beim Betrachten des Bildes auf [Abb. 17]: Jüngling zu Nain (14jähr. Schüler)
(Aus Schulze, Werkstatt der experiment. Psychologie und Pädagogik.)
Wir haben den außerordentlich hohen Wert der Aufmerksamkeit besonders für die Verknüpfung, für das höhere geistige Dasein, kennen gelernt. Leider hat nun aber die Aufmerksamkeit auch eine Kehrseite.
In obiger [Abbildung 16], die wir dem trefflichen Buche Rudolf Schulzes „Aus der Werkstatt der experimentellen Psychologie“ entnahmen, zeigt die obere Wellenlinie die Atmung, die untere den Puls eines Knaben an, der das Bild des Jünglings zu Nain ([Abb. 17]) betrachtet. Die beiden Marken des mittleren Strichs zeigen uns den Augenblick der Öffnung und Schließung einer Tür, die das Bild verdeckt. Wir sehen, wie die Pulslinie bei der ersten Marke plötzlich nach oben springt, also verstärkten Herzschlag anzeigt, nach Schließen der Tür aber ebenso plötzlich wieder sinkt. Die Atemveränderung ist auch sehr auffällig. Erst ganz regelmäßige Züge, während der Bildbetrachtung ganz flaches, unregelmäßiges Atmen und beim Schließen der Tür zwei tiefe, befreiende Atemzüge.