Hans Georg [bitter]. Selbst wenn sie den Verlust desselben einem gewissenlosen Schurken und nicht eigener Schuld verdankt?
Hasselstein [das Haupt schüttelnd]. So ein Fall ist ein großes Unglück für das Mädchen – aber – in den Augen der Welt –
Hans Georg [mit wachsender Erregung]. Und woraus besteht diese »Welt«? Aus einigen beschäftigungslosen Pensionisten, vielen alten Klatschweibern und wenigen gedankenlosen Nachplapperern dieser beiden Kategorien – Menschen, von denen die erste Gattung das Füttern der Vögel im Stadtparke und die zweite das Amfenstersitzen und Kartenspielen zur Hauptbeschäftigung hat. Und über ihr Urteil kannst du dich deines einzigen Sohnes willen, der nur wie durch ein Wunder überhaupt zurückkehrte, nicht hinwegsetzen?
Hasselstein [betrübt]. Mein Sohn! Die Welt besteht aus allen jenen Menschen, mit denen wir zusammentreffen, in deren Mitte wir leben müssen.
Hans Georg [die Brauen hochziehend]. Müssen? Man kann unliebsamen Personen aus dem Wege gehen.
Hasselstein [müde]. Einigen vielleicht – doch nicht allen. Der Mensch ist ein Gesellschaftstier und wir sind daher der öffentlichen Meinung unterworfen.
Hans Georg [erregt auf und abgehend]. Ist es also besser sich selbst unglücklich zu machen als der sogenannten öffentlichen Meinung mutig die Stirne zu bieten?
Hasselstein. Törichtes Kind! Glaubst du, daß dein Glück von Dauer sein würde, so du der Achtung deiner Mitmenschen beraubt wärest?
Hans Georg [wirft stolz das Haupt zurück]. Vorurteile muß man eben bekämpfen – der Anfang mag schwer, der Erfolg ein langsamer sein, aber endlich muß der Sieg errungen werden!
Hasselstein [ernst]. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – ein Fall verändert noch nicht lange die traditionell gewordenen Gesetze von Jahrhunderten, die in Fleisch und Blut des Volkes übergegangen sind. [weich und bittend.] Ach, Hans Georg, lasse dich hier als Gymnasialprofessor nieder, wähle dir ein Mädchen aus gutem Hause und von tadellosem Rufe –