Hans Georg [bitter]. – und führe ein Spießbürgerleben anseiten einer ungeliebten aber in den Augen der guten Kringhäusler hochachtbaren Frau – danke!
Hasselstein [weich]. Mein Jungchen! [Nach einer kurzen Pause.] Sag' mir, du mein Leben, mein Stolz, meine Freude, daß du auf deine alte Mutter hören willst, daß du nicht ernstlich daran denkst diese – diese Berta Heller – zu heiraten. Beim Andenken deines verstorbenen Vaters beschwöre ich dich –
Hans Georg [sinkt vor seiner Mutter in die Knie, stützt sich auf ihren Schoß und blickt zärtlich in ihr Antlitz]. Lassen wir Vater – er genießt die Ruhe, um die ich ihn oft beneidet habe! [weich und bittend]. Kannst du es wirklich nicht über dich gewinnen den Kringhäuslern um meinetwegen zu trotzen? Hast du, während ich begraben unter Eis und Schnee, fern – – ach, so fern von dir – ein gefahrvolles Leben führte, stets bereit vom Schauplatze irdischer und meist leider so nichtiger Kämpfe zu anderen Sphären berufen zu werden, hast du da nie gedacht, wie es sein würde, wenn ich nie wiederkäme, wenn ein Mitglied der Expedition dir statt des gesunden Sohnes die Nachricht seines frühen Todes zugeführt hätte, wenn du deinen Lebensabend einsam hier verleben müßtest, – ohne daß die Stimmen froher Enkel in diesen Mauern widerhallen würden – einzig von den Verwandten, einzig von den geschwätzigen Tarockdamen besucht. Hast du nie dir vorgestellt –
Hasselstein [sich die Tränen abtrocknend]. Oh mein Junge, mein geliebter Hans Georg! Wie oft lag ich stundenlang betend vor meinem Lager, wie oft saß ich weinend gerade hier, wenn die Einsamkeit mich allzu unerträglich deuchte, die Sorge um dich, du mein höchster Schatz, mein Herz zusammenkrampfte. Ich glaube, ich wäre wahnsinnig geworden, wenn [Mutter und Sohn halten sich lange umschlungen].
Hans Georg [sie liebkosend]. Hast du dir nie vorgestellt, Herzensmütterchen, wie schön unser Zusammenleben sein würde, wenn Berta – wenn ich und sie dir immer nahe wären und alle deine Wünsche ausführen könnten – Wünsche, die nur ein Sohn, eine liebende Tochter erfüllen können. Dachtest du nie, wie süß die Enkelchen – ihre und meine Kinder –
Hasselstein [leidenschaftlich]. Deine Kinder – doch nicht sie ins Haus – nicht sie zu deiner Frau – Oh, Hans Georg!
Hans Georg [müde]. Warum nicht? Weil ein Schurke ohnegleichen es gewagt hatte die kaum sechzehnjährige liebliche Menschenblüte mit Gewalt zu brechen? Sie die sowohl vor wie auch nachher ein tadelloses, mustergültiges Leben führte, sie, die außer ihrer Schönheit ein edles Gemüt, ein warmes Herz, einen regen Geist und künstlerische Anlagen besitzt und die dem kranken Bruder ihr Erbteil abgetreten, ihren Vater jahrelang aufopfernd gepflegt hat, sie, an deren Seite einzig ich mein Glück finden kann? Vor zwei Jahren konnte ich noch zweifeln – heute nicht mehr. Oft, wenn die Bitterkeit dieses schwache Herz erfüllte und es zu sprengen drohte, da stieg inmitten der Schneewüste das Bild Bertas tröstend vor mir auf und die Wellen des Abscheus gegen alle engherzigen Seelen daheim sanken in nichts zusammen, – wenn ich mich freute mir einen Namen errungen zu haben, so war es, weil er ihr Schutz gewähren sollte gegen alle – –
Hasselstein [ihn abwehrend unterbrechend]. Sie wird deinen reinen geachteten Namen in den Schmutz ziehen – das weiße Tuch wird schwarz, wenn es mit Ruß in Berührung kommt, nicht der schwarze Ruß weiß vom Tuche. [Vorwurfsvoll.] Du denkst immer zuerst an sie – erst hierauf an deine Mutter.
Hans Georg [ihre Hände ergreifend]. An wen könnte ich mehr denken als an meine Mutter, aber siehst du, Berta ist bereit mir alles zu opfern, mit mir bis an das Ende der Welt zu ziehen, falls wir das Heim, das erhoffte Glück nicht bei dir, nicht in der Heimat finden können. Sie will gerne das schwere Leben eines Forschers in fremden Erdstrichen mit mir teilen, sie opfert mir willig Heimat, die Annehmlichkeiten der civilisierten Länder mit ihren Vergnügungen, ihren reichen Abwechselungen – und du, ach, du willst deinem Sohn nicht einmal die Kringhäusler und ihre nichtige Meinung aufopfern!
Hasselstein [besorgt]. Du sprichst von neuen Forschungsfahrten – wärest du imstande mich wieder zu verlassen, mich neuem Kummer, neuen Sorgen auszusetzen?