Hans Georg [weich]. Wie gerne, wie innig gerne verbliebe ich bei dir, doch du selbst schickst mich wieder hinaus in die weite Welt. Auch Berta, liebste Mutter, auch ich, wir beide haben gleich dir Anspruch auf Freude, auf Glück, auf eine sonnige Zukunft. Wäre mein Lieb' ein schlechter Charakter, ein leichtsinniges Mädchen, so würde ich nie ein solches Opfer, eine Ueberwindung von dir begehren – aber einem Vorurteil allein kann ich nicht das Glück und die Zukunft eines ganzen Daseins opfern. [Weich.] Zieh' mit uns, Mutter verlasse Kringhausen und in einem fremden Orte – unsere Heimat ist groß – wollen wir ein neues Heim uns gründen.

Hasselstein [müde]. Gerüchte erreichen auch entfernte Orte.

Hans Georg [ihre Hände mutlos fallen lassend]. Du liebst die Kringhäusler mehr als deinen Sohn! [Nach düstern Schweigen leise.] Es sei, Mutter, wie schwer mir der Abschied auch wird, wie hart der Schlag, der meine schönsten Hoffnungen vernichtet, mich auch getroffen. [Fester, lauter.] Noch gibt es Völker, wo mein Name, meine Persönlichkeit allein genügen werden, dem Weibe, das ich liebe, das ich zu meiner Lebensgefährtin erwählt habe, Achtung zu verschaffen. [Er entfernt sich mit gesenktem Haupte etwas von Fr. H.]

Hasselstein [nach einer peinlichen Pause]. Hans Georg!

Hans Georg [sich müde umwendend]. Mutter!

Hasselstein [die Hände nach ihm ausstreckend]. Komm' zu mir, mein Kind! [Er sinkt langsam wieder vor der Mutter in die Knie und hält sie umschlungen.] Kannst du nur mit Berta glücklich werden?

Hans Georg [ernst]. Ja, Mütterchen, mit ihr allein!

Hasselstein [weich und mit tränenerstickender Stimme indem sie ihn an sich zieht]. Mein Liebling, ich kann eine neue Trennung nicht ertragen, ich kann dich nicht wieder in die Fremde ziehen lassen – ich muß daher wohl – [sie küßt ihn].

Hans Georg [jubelnd]. Mama! O du mein süßes, o du mein geliebtes Mutterl –

4. Auftritt.