Frau Knute. Du brauchst ja nicht zu gehen! Es gibt genug andere Mädchen in Kringhausen.

Hasselstein [mit Würde]. Aber nur ein einziges Mädchen für mich – meine Braut! [Die Hände seiner Mutter ergreifend und mit milder Ueberredung.] Bedenke, du mein teures Mütterchen, daß es sich hier um unser Glück und nicht um die Meinung anderer Leute handelt. Nach einigen Monaten schon werden die Kringhäusler diese Ueberraschung verwunden haben und alles, was ich tun kann soll geschehen um dir diese kurze Zeit so leicht, so erträglich als möglich zu gestalten. Willst du, daß ich mit Berta auf Reisen gehe und erst nach Ablauf von mehreren Monaten heimkehre? Willst du, Teure, nicht mit uns kommen? Sag mir nur eins: – Willst du meine Braut willkommen heißen, willst du in unserer Mitte, bei ihr, bei mir, in Zukunft verweilen?

Frau Hasselstein [schwankend]. Wenn nur – aber du kennst die Leute – die Tanten sind auch der Ansicht – ganz wie meine anderen Bekannten – die Damen der Tarockpartie – ach, es wird ein solches Gerede geben –

Hans Georg [ernst]. Ich frage nicht nach der Meinung der Verwandten – gleichgültig ist mir die Ansicht der Kringhäusler solange ich nur nicht vor mir selbst erröten muß, – ich frage dich, dich, meine innigst geliebte Mutter, ob ich gehen soll, wieder hinausziehen in unbekannte Gefahren, von dir scheiden um nie wiederzukehren – ich frage dich, ob du die Liebe zu mir oder die öffentliche Meinung wirst siegen lassen. Sprich, Mutter!

Frau Hasselstein [leidenschaftlich]. Ach, geh' nicht – verlasse mich nicht – schon nähere ich mich dem Grabe – bleib' bei mir, du, du mein einziger Sohn!

Hans Georg [einen Arm um ihre Schultern legend]. Bei wem würde ich wohl lieber als bei dir verweilen, Mütterchen, doch nicht kann ich mein Wort Berta gegenüber brechen, mein Lebensglück und das ihre eines Vorurteils willen in den Staub treten. Ein solches Dasein hätte für mich jeden Wert verloren, wäre ein Zeugnis meiner moralischen Schwäche, hinterließe einen ewigen nagenden Vorwurf in meinem Innern, der das Beste in mir langsam aber sicher zerstören würde. Wenn du mich liebst, Mutter –

Frau Hasselstein [weinend]. O Hansi, Hansi, ich kann dich nicht ziehen lassen! Bleib' hier, selbst –

Frau Knute [scharf]. Schwester, ich beschwöre dich, bedenke –

Frau Pottenmiller [gleichfalls]. Was werden deine Bekannten dazu sagen? Du bist gesellschaftlich zugrundegerichtet, kein Mensch –

Ada [kalt und hart]. Sei kein Schwächling, Tante, wenn er das Mädchen dir vorzieht, so lasse ihn laufen.