Frau Knute. Gehe wohin du willst, du wirst überall einen schweren Stand haben. Es gibt immer Menschen, die freundlich genug sind einen solchen Fleck im Namen einer Frau an irgend eine gute Freundin zu schreiben, die diese Neuigkeit hierauf die Runde im Städtchen machen läßt.

Hans Georg [spöttisch]. Ich zweifle nicht daran. Hoffentlich wird mein Name dennoch Kraft genug besitzen meine Frau zu schützen.

Frau Pottenmiller [mit Nachdruck]. Keine Frau deiner Kollegen wird mit dir in gesellschaftliche Verbindungen treten wollen, – kurz, deine Laufbahn ist vernichtet, wir alle mit Schande überhäuft, dein toter Vater im Grabe –

Hans Georg [streng]. Laß die Toten in Frieden ruhen – wir haben mit den Lebendigen mehr als genug.

Frau Hasselstein [weinend]. Er würde sich im Grabe umwenden, wenn er eine Ahnung hätte! [Alle sprechen durcheinander, Hans Georg geht erbittert auf und ab.]

Roden [zu Norry]. Der Arme dreht sich sicher nicht um, der muß totmüde sein und verwendet die ersten hundert Jahre seiner Befreiung gewiß dazu, das Ohrensausen loszuwerden. Lieber unter Krokodilen als zwei Tage unter Kringhäuslern!

Frau Pottenmiller. Hoffentlich wird dich die Rücksicht auf deine Mutter bestimmen – wir beanspruchen nichts – diese verrückte Idee aufzugeben und keinen derartigen Skandal heraufzubeschwören. Wir werden alles tun um unsere unglückliche Schwester von der Torheit eines solchen Vorhabens zu überzeugen.

Hans Georg [bitter]. Ich zweifle nicht daran! [Weich zu seiner Mutter.] Mama, die Herren warten und diesem peinlichen, höchst unerquicklichen Auftritt muß ein Ende gemacht werden. Als uns die Verwandten unterbrachen, hattest du mich eben unbeschreiblich glücklich gemacht. [Er ergreift ihre Hand.] Bist du, Teure, noch der Meinung, daß wir zusammen ein Leben voll Glück und Frieden führen könnten? Die Stürme, die nun aufgewühlt worden sind, sie legen sich bald und auf sie folgen schöne, frohe, sonnige Tage stiller Zufriedenheit, reinen Glücks. Darf ich deine Entscheidung von vorhin als bindend ansehen, soll ich meinen geschätzten Kollegen mitteilen, daß ich mit meiner Frau bei meiner Mutter bleiben oder –

Alle [auf sie einschreiend]. Tante! Schwester, um Himmelswillen laß dich nicht zu solchem Wahnsinn hinreißen! Denke an deine gesellschaftliche Stellung, was du dir und uns allen in der Hinsicht schuldest, denke an die gerechte moralische Entrüstung der gesamten Einwohnerschaft von Kringhausen –

Hans Georg [laut, mit Nachdruck]. Die Angelegenheit, die hier erörtert wird, geht nur meine Mutter und mich selbst an! Darf ich daher um Schweigen bitten! [Weich zu Fr. H.] Was sagst du mir, Mutterl! Soll ich in deiner Nähe bleiben oder wieder hinausziehen in die weite Welt? Zweimal komme ich wohl kaum zurück!