Ladislaja [mit ihrer dünnen Fistelstimme]. Ach, und wie könnte ich dem jungen Prediger nur in die Augen schauen – nein, nein, ich müßte vor Scham in die Erde sinken – vergehen – Er, der mich und unsere Familie den anderen Jungfrauen des Vereins als Muster hinstellt! Mit so einer Verwandten – so ein Skandal! –
Roden [leise zu Norry]. Vor zwanzig Jahren hat ihre Jungfräulichkeit vielleicht noch einen Wert gehabt.
Norry [im gleichen Ton]. Sagen wir ruhig: vor einem Vierteljahrhundert!
Frau Knute [streng]. Mir ins Haus darfst du so eine – [sie verstummt vor H. G.'s Blick].
Hans Georg [kalt]. Fürchte dich nicht – wir werden uns allein genügen!
Frau Pottenmiller. Auf die Stelle am hiesigen Gymnasium darfst du in dem Fall auch nicht rechnen, ebenso wenig wie auf die Protektion meines Mannes – Wer die Jugend erziehen will muß vor allem selbst unerschütterliche sittliche Grundsätze haben –
Frau Hasselstein [traurig]. Das haben die Damen der Tarockgesellschaft auch gesagt.
Hans Georg [verächtlich]. Alte Klatschbasen! Hast du also mit ihnen über meine Zukunft Rat gepflogen?
Frau Hasselstein [schüchtern]. Sie erzählten, daß die ganze Stadt davon spricht, daß es deiner Zukunft schaden, dich gesellschaftlich zum Paria –
Hans Georg [kalt]. In Kringhausen machen wird, nicht wahr? Die Welt besteht Gott sei Dank nicht ausschließlich aus Kringhausen und – Kringhäuslern!