»Deshalb sind Sie auch wenig zum Studium aufgelegt,« sagte ich zu ihm; »könnten Sie nicht etwas weniger rauchen?«

»Ich werde versuchen,« entgegnete er mit jener Betonung, die beweist, daß der Versuch mißglücken wird, aber geradeaus »nein« zu sagen, davon hielt ihn seine chinesische Höflichkeit ab.

Ein anderes Mal fand ich einen silbernen Bleistift auf meinem Platze, und Ming Tse sagte in gebieterischem Tone: »Für Sie!«

»Aber Herr Ming Tse –« begann ich, als er mir in die Rede fiel.

»Wenn Sie ihn nicht annehmen, so studiere ich nicht,« und seine zarten Kinderhände hatten das Aufgabenheft erfaßt, bereit, es zu zerreißen. Seine schwarzen Augen blitzten hinter den Augengläsern hervor, und die ganze Gestalt verriet die Sehnsucht, mich zwingen zu wollen. Ein Blick auf den schlanken, mir unentwickelt scheinenden Körper ließ mich das Komische in der gegenwärtigen Lage sehen, und lächelnd sagte ich zu ihm:

»Ich danke Ihnen, Herr Ming Tse, Sie hätten dies aber nicht tun sollen.«

»Gegen seine Professoren muß man immer höflich sein,« erwiderte der Chinese; »in China darf man einen Lehrer nie wegschicken, falls er, alt und schwach, um Hilfe zu bitten kommt, und ein Lehrer hat auch das Recht, uns zu schlagen, und er darf uns bei unserem Taufnamen nennen, was nur die Eltern außer ihm tun dürfen.«

Ich wußte, daß die Frau nicht das Recht hatte, diesen Namen auszusprechen, und daher überkam mich eine unbezwingliche Lust, zu hören, wie der heilige Name lautete. Ich fragte ihn also mutig.

»Li Bai,« war die Antwort, »und Sie können mich so nennen,« fügte er großmütig hinzu.

»Das wäre eine allzu große Freiheit meinerseits,« erwiderte ich, »aber der Name ist sehr hübsch, und ich danke Ihnen, ihn mir genannt zu haben.«