Meine Antwort schien nicht seine volle Zufriedenheit zu erwecken, er murmelte etwas vor sich hin, ließ indessen nichts laut werden und begleitete mich gerade so höflich zur Türe wie immer.
Obschon es Mitte Februar war, litten wir noch immer unter einem wahren Hundewetter. Es hatte wochenlang geregnet, und heute lag wieder ein unbehaglicher Nebel über der Stadt, wenn auch nicht so dicht, als es oft der Fall war.
Ganz vertieft in das eben Erlebte, ging ich so schnell als möglich die Gasse hinauf und bog bei dem großen Briefkasten wie ein Pfeil um die Ecke, während von der entgegengesetzten Seite jemand genau wie ich mit den Augen auf den Boden und den Sinn auf andere Welten geheftet, daherkam, was zur Folge hatte, daß wir mit voller Dampfkraft ineinanderfuhren – meine Tasche und Bücher flogen in einige Pfützen, und auch mein Angreifer schien übel hergenommen zu sein, wenigstens lag seine Brille zerbrochen auf der Erde. Ich rieb meine Nase, die mit einem ungalanten Westenknopf unsanft in Berührung gekommen war, und mein Partner im Unglück fischte im Kotmeer herum und führte merkwürdige Schwimmbewegungen aus, die mich verstehen ließen, daß er – oh, vergebliche Hoffnung – seine verlorene Brille wiederzugewinnen trachtete. Als ich näher auf ihn sah, erkannte ich ihn.
»Mister Hoang-Zo!« rief ich überrascht und versicherte ihm gleichzeitig, daß seine Brille das Zeitliche gesegnet hätte, worauf ich mich erbot, ihn bis zur Türe seines Hauses zu begleiten. Er wohnte nur wenige Häuser von Ming Tse entfernt.
»Was für Fortschritte macht Ming Tse?« fragte mich unterwegs mein ehemaliger Lehrer.
Ich gab meinem kleinen Chinesen ein besseres Zeugnis als er es verdiente, da ich wußte, daß ihm Hoang-Zo immer Vorwürfe machte, seine Prüfungen nicht schneller zu vollenden, und sagte auch, daß ich Ming Tses große Höflichkeit reizend fände.
Er lächelte, und ohne daß ich recht wußte warum, war mir das Lächeln unangenehm. Es schien etwas auszudrücken, was ich nicht fassen konnte. Er enthielt sich jeder Bemerkung mit Bezug auf meinen Schüler, dankte mir für die Begleitung, entschuldigte sich wegen des Zusammenstoßes und tastete seinen Weg in das Haus. Armer Mensch, ohne Gläser war er vollkommen hilflos – dieser Gedanke vertrieb sofort jede Neigung, auf ihn wegen des unerklärlichen Lächelns böse zu sein.
Und Wochen kamen und gingen.
A. F. Seebacher |