»Drohe ihr mit Enterbung!« bat Tante Elly und ihre Augen sprühten vor Vergnügen.

»Zum Kuckuck auch,« donnerte Onkel Mossi, »die Käthe entscheidet und nicht Ihr.«

Die anderen Onkel dienten als Wandschmuck, wie immer im Familienrat.

Ich glaube, daß nur die Angst vor der Salmiakflasche, die Onkel Mossi so unternehmungslustig schwang, die Tanten abhielt, noch einmal in Ohnmacht zu fallen, als Mama ihnen erklärte, daß wir schon morgen nach D. abreisen würden, um alle nötigen Einkäufe für die Reise nach China zu machen, und daß wir in einem Monat schon durch Sibirien sausen würden. Ich merkte, wie sich alle an den Hals griffen, als ob der Kragen nicht weit genug gewesen wäre.

»Natalie,« kreischte Tante Paula auf, »man wird dir dort den Kopf abschneiden. Man haßt Europäer, und dein Kopf ist in Gefahr.«

»Kusine,« flüsterte Tante Emma, »du erreichst China gar nicht. Man wird dich auf der Bahn ausrauben und deinen nackten Leib aus dem Waggonfenster werfen.«

»Du wirst doch nicht auch noch deine zweite Tochter dem Untergange weihen?« erkundigte sich Tante Hermine mit scheinbarer Besorgnis um mich.

»Bist du in der Tat imstande, so gewissenlos zu sein, Natalie,« predigte Tante Hermine, »dieses unschuldige Wesen (ich wußte nicht, daß ich ein so unschuldiges Wesen war) in diesen orientalischen Sündenpfuhl mitzuschleppen?«

»Willst du Jenny wirklich in diese Pestatmosphäre geleiten, wo die Blattern sie lebenslänglich entstellen können?« fragte Lotta spitz. Ich bin überzeugt, daß es ihr gleichgültig war, wie ich aussah.

»Natalie,« erklärte Tante Elly feierlich, »ich kann dich von dieser verrückten Idee nicht abhalten. Ich habe für Käthe mit ihrer entschiedenen Natur und ihrem eigentümlichen Wesen nie Sympathie gehabt und wünsche ihrem vermeintlichen Glücke kein Hindernis in den Weg zu legen, aber Jenny soll daheim bleiben. Ich selbst werde dein Kind zu mir nehmen.«