»Lieber die Pest und die Blattern,« flüsterte ich Onkel Mossi zu, indem ich mich an ihn klammerte.
»Kann mein Nichtchen nicht unter meinem Schutze zurückbleiben?« fragte der herzensgute Onkel.
Wenn Blicke vernichten könnten, so wäre der arme Onkel nicht mehr unter den Lebenden.
»Da wäre ein junges, unschuldiges Ding in die rechten Hände,« sprach Lotta für sie alle die Meinung aus. Ich konnte Onkel Mossi gut nachfühlen, als er zwischen den Zähnen etwas murmelte, was sehr nach »so eine verdammte Schlange und Giftmorchel« klang.
Trotz verzweifelten Widerstandes aller Tanten und Basen – die männlichen Vertreter unseres Stammes glänzten wie immer durch ehrfurchtsvolles Schweigen und dichte Rauchwolken – wurde beschlossen, daß Mama reisen und ich sie begleiten würde, und daher küßten mich alle Tanten beim Abschied und ließen dicke Krokodilstränen auf mich niederfallen. Sie versicherten mir, daß ich wahrscheinlich meine Gesundheit und jedenfalls meine Unschuld und Tugend auf dieser Reise einbüßen würde, und ich war so gerührt zu hören, daß ich so viel Unschuld und Tugend besaß, daß ich jeder Tante eine extratiefe Verbeugung machte, als Lotta an mich herantrat und hörte, daß ich Tante Hermine versprach, so viel als möglich von den mitgenommenen Tugenden wieder zurückzubringen.
»Du?« herrschte sie mich mit ihrer kreischenden Stimme an, »du wirst irgendwelche Tugenden bewahren? In dir schlummern die Samenkörner der Verderbtheit wie in deiner entarteten Schwester!« sprach's, stieß mich rauh von sich und verschwand mit erhobenem Haupte durch die Tür.
Kaum waren sie draußen, so flog ich Mama um den Hals.
»Gestorben sind sie beinahe vor Neid und Galle,« rief ich entzückt und Mama sah überglücklich aus. Ich glaube, sie hätte Dich auch an den Stamm eines Kaffernstammes abgetreten, wenn es die Tanten hätte ärgern können. Den Rest des Tages ging ich zu allen meinen Bekannten und sagte:
»Meine Schwester heiratet sehr reich – einen Chinesen – und wir, Mama und ich, fahren zur Hochzeit nach China.« So etwas kann nicht jeder. Ich war selig, die erstaunten Gesichter zu sehen und bin Dir so dankbar, Käthe, einen so interessanten Mann gewählt zu haben. Ein wenig, ein ganz klein wenig ängstlich bin ich doch auch.
Mama weinte zwar den ganzen Tag ein wenig – das schickt sich so, aber ich wußte, daß sie sehr froh ist, denn der Aerger der Verwandten ist ihr eine unsägliche Beruhigung. Ich fragte, ob es sich für mich auch schickte, den ganzen Tag zu weinen, doch beruhigte sie mich und sagte, daß nur eine Mutter dies zu tun brauche.