Am Abend ging ich in den Garten. Mir war indessen jetzt doch etwas ungemütlich zumute. China ist weit weg und ich bin hübsch, nicht wahr, Käthe, und Blattern sind nicht angenehm, aber ich freue mich so auf die Reise, die Abwechslung, die schöne chinesische Seide, den fremdartigen Schmuck – und auf Dich auch, natürlich.

Wie ich gehofft hatte, sah ich Doktor Wurmbrandt am Zaune stehen. Ich ging schnell auf ihn zu, reichte ihm meine Hand und sagte:

»Meine Schwester heiratet einen leibhaftigen Chinesen und ich fahre morgen nach China.«

Im nächsten Augenblick war er über den Zaun gesprungen.

»Fräulein Jenny, ich habe in der Stadt schon davon gehört – es kann nicht sein, daß Ihr Fräulein Schwester eine solche Partie eingeht?« rief er leidenschaftlich.

»Er ist sehr reich!« entschuldigte ich Dich.

Er ließ meine Hand fallen. »Also ist Geld alles im Leben, Fräulein Jenny?« fragte er ernst.

Mir wurde so heiß. »O nein, Herr Doktor,« sagte ich, indem ich auf den Rasen niedersah, »aber ich weiß keinen anderen Grund zu nennen, warum Jenny einen Chinesen heiratet.«

»Gefühle scheinen bei Ihnen keinen Rolle zu spielen!« sagte er hart.

»Oh, Herr Doktor, die Käthe hat schon einmal geliebt und – und – ich glaube nicht, sie tut es ein zweites Mal. Sie hat ihn zu lieb gehabt,« sagte ich und fühlte, wie meine Stimme zitterte.