Als der Doktor mir den Rosenstrauß übergab, merkte ich, daß die Gesichter der Tanten und Kusinen gelbgrün wurden, und Mama fragte im Tone eines Untersuchungsrichters:
»Interessiert sich der Doktor für dich?«
»Ich – ich weiß es nicht,« antwortete ich und wurde wieder rot wie eine Klatschrose.
»Keine schlechte Partie,« sagte Mama mehr zu sich selbst als zu mir.
»Jenny, schicke ihm von Zeit zu Zeit eine Ansichtskarte,« befahl sie. »Man muß sich den Männern immer wieder ins Gedächtnis bringen.«
Und jetzt, Käthe, sind wir in D., wo wir allerlei Einkäufe machen.
An unserem Tische speist ein alter Rittmeister und macht mir sehr den Hof – ein Baron X. oder U., ich kann mir seinen Namen nicht merken.
Mama ist sehr liebenswürdig und sagte mir vor dem Schlafengehen:
»Sei zuvorkommend gegen den Rittmeister, Jenny, ein Soldat ist besser als ein Doktor.«
Da wurde ich aber böse. »Der Doktor ist jünger und hübscher,« protestierte ich, aber Mama schickte mich zu Bett und versicherte mir, daß ein Mädchen in meinem Alter nicht weiß, was gut für sie ist. So ein Unsinn! Ich bin achtzehn Jahre!