Der Zauberer hatte den dritten November als den passendsten Tag für unsere Verbindung festgesetzt, und alle hatten sich damit einverstanden erklärt. Morgen sollte ich von chinesischen Mädchen in chinesische Roben gesteckt und in den Brautsessel gehoben werden, der mich in feierlichem Umzug zum Hause meiner Schwiegereltern zu bringen bestimmt war. Die europäische Eheschließung sollte jedoch schon in den Vormittagsstunden in europäischer Tracht auf dem Konsulate vollzogen werden.
Ich sah Li Bai nur auf Augenblicke in allen diesen Tagen, da er bis über den Kopf in Hochzeitsvorbereitungen steckte. Trafen wir uns endlich, war er so höflich und so – zurückhaltend wie immer.
Und die Stunden verflossen und das gefürchtete »morgen« wurde »heute«.
A. F. Seebacher |
XIII.
| Drum prüfe, wer sich ewig bindet, |
| Ob sich das Herz zum Herzen findet. |
| Schiller. |
XIII.
Seit Mitternacht schon pfiff der Nordwind um das Haus und fuhr heulend und klagend um die Ecken, der anbrechende Tag brachte Regen und endlich Schneegestöber mit sich, und wie warm wir uns auch in unsere Mäntel auf der Fahrt zum Konsulat hüllten, zitterte ich doch, teils vor Aufregung, teils vor Kälte so sehr, daß ich nicht ein Wort der Begrüßung an Li Bai richten konnte, der bitterböse aussah und scheinbar auch nur bei einem Ofen zu sitzen wünschte.
Die kalte Begrüßung, der dunkle Himmel, der heulende Sturm und unsere triefenden Gewänder wirkten vereint dergestalt auf mich ein, daß ich ohnmächtig wurde, was den einen Vorteil mit sich führte, daß alle, auch Li Bai, sehr lieb gegen mich waren, als ich endlich die Besinnung wieder gewann.
»Du wirst sehen, wie schön es ist, verheiratet zu sein,« flüsterte Li Bai mir zu, als Jenny und auch Mama mit dem Konsul sprachen.